Die Ausbildungspflicht bis 18 wäre eine gute Vorschrift. Wäre.

Notwendig wäre allerdings, dass das derzeit verwirrende Angebot an Schulkarrieren endlich klar strukturiert wird.

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Barazon | Nationale und internationale Politik und Wirtschaft Ronald Barazon

Die Anfang Juli vom Parlament beschlossene Ausbildungspflicht wäre eine gute, sogar eine grandiose Vorschrift. Künftig werden die vielen Jugendlichen, die mit 14 oder 15 orientierungslos sind, in eine Schulung gezwungen, die ihnen eine Perspektive eröffnet und eine Chance für ein eigenständig gestaltetes Leben bietet.

Leider handelt es sich um eine halbherzige Maßnahme. Von Orientierung für die Jugendlichen kann keine Rede sein, da sich an dem chaotischen Bildungsangebot nichts ändert. Skurril erscheint der gesetzlich verankerte Auftrag zur Information der Jugendlichen und der Eltern über die verschiedenen Möglichkeiten. Genau die Varianten und die schon bisher stattfindenden Informationsveranstaltungen verwirren die Betroffenen. Das Gesetz sieht allerdings Strafen vor, wenn die Betroffenen aus dem Tohuwabohu kein Angebot annehmen.

Besonders absurd erscheint die von der ÖVP erzwungene Ausnahme der jungen Flüchtlinge, die mehr noch als die hier ansässigen Jugendlichen eine Orientierung brauchen. Man soll sich nicht zur Illusion versteigen, dass mit einer Ausbildungspflicht Terrorattacken und Amokläufe zu verhindern wären, die Gefahr kann aber deutlich verringert werden.

Das Chaos ist allen Eltern von Jugendlichen bekannt, nur der Politik offenbar nicht. Es beginnt damit, dass die Schulpflicht mit 15 endet, aber die Unterstufe der AHS und die Neue Mittelschule - vulgo Hauptschule - mit 14 schließen. Vor allem müsste hier eine klare Regelung erfolgen: Einheitlich sollten Schulpflicht, AHS und Hauptschule mit 15 enden. Alle 15-Jährigen hätten eine Abschlussprüfung zu machen.

Von da weg wäre ein klar strukturiertes Angebot für die Zeit bis 18 erforderlich: Oberstufe der AHS, BHS oder Lehre bis zur Gesellenprüfung, ab 18 öffnet sich dann der Weg an die Universität, in eine Fachhochschule, zum HTL-Ingenieur oder zur Meisterprüfung. Alle Varianten müssten gleichwertig angeboten werden. Nur so können die meist von Eitelkeiten ausgelösten Fehlsteuerungen vermieden werden. Der Schlachtruf "Mein Kind muss maturieren" würde verstummen. Eine Krücke wie der polytechnische Lehrgang für die Schließung der Lücke zwischen dem 14. und dem 15. Lebensjahr erübrigt sich bei klaren Strukturen.

Es gibt kein Wundermittel. Auch mit einem überschaubaren und verständlichen Angebot werden manche Jugendliche nicht mitkommen, aussteigen. Schwierigkeiten in der Familie, Belastungen durch die Pubertät, unrealistische Erwartungen oder schlicht Dummheit oder Faulheit können zum Versagen führen.

Ein flexibles, verständliches Angebot in Verbindung mit der nun beschlossenen Ausbildungspflicht bis 18 würde jedenfalls die Zahl der Problemfälle dramatisch reduzieren.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 01:43 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/die-ausbildungspflicht-bis-18-waere-eine-gute-vorschrift-waere-1215406

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