Nur Bares ist Wahres. Der ultimative Kampf um das Bargeld

Die Finanzminister wollen das Bargeld vernichten, die Notenbanker treiben das Spargeld in die Matratzen. Ein Finanz-Horror-Cabaret!

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Barazon | Nationale und internationale Politik und Wirtschaft Ronald Barazon

Die europäischen Finanzminister - vermutlich alle anderen auch - pflegen die Illusion, dass ihre Budgets in Ordnung wären, könnten sie nur alle Steuersünder zur Staatskasse treiben. Dass die Fässer ohne Boden, die freundlich als Staatshaushalte umschrieben werden, niemand füllen kann, nehmen sie nicht zur Kenntnis. Sie nehmen auch nicht zur Kenntnis, dass sie - eigentlich - Politiker sind und für die Bürger eintreten sollten: Sie tun das Gegenteil und sehen überall nur Steuerhinterzieher.

In ihrem Eifer wollen sie das Bargeld abschaffen und erzwingen, dass jede Zahlung über eine Kredit- oder Bankomatkarte erfolgt oder als Überweisung durchgeführt wird. Nachdem es ihnen europaweit gelungen ist, das Bankgeheimnis zu vernichten, träumen sie nun dem Paradies entgegen: Jede nur erdenkliche Abgabe, die mit einer Zahlung verbunden werden kann, wird künftig auch tatsächlich beim Fiskus landen. Doch bevor die Säckelwarte in die elysischen Steuergefilde einziehen können, werden sie auch schon wieder aus diesen mit reichen Steuer-Ernten gesegneten Feldern vertrieben.

Dafür sorgt erstaunlicherweise jene Gruppe von Finanzpolitikern, die doch ergänzend im Gleichklang mit den Ministern agieren müssten: Die Notenbanker sind die Übeltäter, also jene, die auf die Währung aufpassen sollten und sich auch gern als Bollwerke der Stabilität verstehen. Diesem erlauchten Kreis verdanken die Sparer seit einigen Jahren, dass sie kaum Zinsen bekommen und zusehen müssen, wie der reale Wert ihrer Reserven sinkt.

Damit nicht genug. Jetzt steht der nächste Schritt bevor: Die Sparbücher sollen mit Minuszinsen ausgestattet werden. Der Begriff ist für sich schon widersinnig, der Inhalt vollends absurd. Auf Deutsch übersetzt heißt "Minuszinsen", man bekommt schlichtweg weniger Euro ausbezahlt, als man ursprünglich eingezahlt hat. Der Wert wird also nicht mehr nur durch die Teuerung verringert, es wird der Sparbetrag gekürzt.

Es bedarf keiner besonderen Fantasie, um sich die Reaktion der Betrogenen auszumalen: Die Spargelder werden in Kopfpolstern, Matratzen und vor allem in eisernen Tresoren verschwinden. Zahlungen werden erfolgen, in dem man die Scheine und Münzen aus den Verstecken holt und bar auf die Hand seine Verpflichtungen erfüllt. Eine ganz selbstverständliche, gar nicht aufgeregte Revolution bahnt sich an - nur Bares ist Wahres.

Das Bankgeheimnis? Kein Interesse! Alle Zahlungen über Konten? Keine Rede davon! Sollte es wirklich kein Bargeld mehr geben, wird der ohnehin schon wachsende Tauschhandel triumphieren. eBay, Airbnb, Uber und zahllose Tauschbörsen weisen den Weg.

Aufgerufen am 15.11.2018 um 11:35 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/nur-bares-ist-wahres-der-ultimative-kampf-um-das-bargeld-980362

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