Statt "Yes, we can" wäre "You must do" der passendere Slogan

SPÖ und ÖVP versuchen, mit vielen Zuckerln die verlorenen Wähler zu überzeugen. Diese Methode funktioniert nicht.

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Barazon Ronald Barazon

Die Bundesregierung hat nun ihr Programm überarbeitet. Die SPÖ verkündet in ihren Aussendungen, dass sie sich durchgesetzt habe. Und die ÖVP triumphiert, dass deutlich ihre Handschrift erkennbar sei.

Das Papier demonstriert die Hilflosigkeit beider angesichts der Unzufriedenheit der Bevölkerung. Die Akteure unterliegen einem fatalen Irrtum: Sie glauben, sie könnten die Wähler überzeugen, indem sie Zuckerl verteilen und versprechen, sich den Ursachen der Abwanderung zu den Protestparteien zu stellen.

Die Realität sieht anders aus. Die Erfolge von Politikern, die weltweit mit lautstarken, inhaltslosen Attacken gegen die Regierungen beeindrucken, sind nicht mit Maßnahmen oder Argumenten zu parieren.

Der Zug zu den meist aus dem extrem rechten Lager stammenden Populisten hat eine entscheidende Ursache: Viele Menschen sind nicht bereit, sich dem umfassenden Wandel zu stellen, der derzeit alle Bereiche erfasst. Man nimmt die Herausforderungen nicht an und wirft der jeweiligen Regierung vor, dass die Zeiten des bequemen Wohlstands vorbei sind.

Nur: Die Regierungen können dieses Pro blem nicht lösen. Mit dieser Feststellung sei keineswegs das Versagen der Staatenlenker in vielen Bereichen entschuldigt. Aber eines können Regierungen nicht: den Menschen die notwendige eigene Initiative abnehmen.

Genau das wird aber mit dem erneuerten Regierungsprogramm versprochen. Man werde die Menschen auf die Industrie 4.0 vorbereiten, man werde die Investitionen fördern, man werde die Zuwanderung drosseln, man werde, man werde, man werde . . . Diese Maßnahmen müssen wirkungslos bleiben, weil sie an der Problematik vorbei zielen.

Statt Versprechen abzugeben, die die angesprochenen Protestwähler nicht interessieren, wäre die Mitteilung der brutalen Wahrheit am Platz. Die unmissverständliche Botschaft der Regierung müsste lauten: Jede und jeder sind gefordert, sich in dem aktuellen Wandel zu behaupten, neue Kenntnisse zu erwerben, neue Chancen zu erkennen und wahrzunehmen. Diese Botschaft wäre überzeugender als die Verteilung von Wahlzuckerln.

Die aktuelle Situation nützt zwar den Schreiern in der Politik, sie könnte aber auch einen positiven Effekt haben. Der Staat wird nicht mehr als "Vater Staat" akzeptiert, weil er die Erwartungen der Kinder enttäuscht, enttäuschen muss. Also könnten die Regierungen endlich zur Kenntnis nehmen, dass sie nicht die Rolle der fürsorglichen Eltern innehaben. Und sich auf ihre Aufgabe konzentrieren, den Staat effizient und effektiv zu verwalten.

Vom "Yes, we help" nicht zum "Yes, we can", sondern zum "You must do" und "We do".

Aufgerufen am 17.11.2018 um 06:27 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/statt-yes-we-can-waere-you-must-do-der-passendere-slogan-389191

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