Alexa, Siri und Cortana - drei neue Nothelferinnen

Ein Kriminalfall in den USA zeigt sowohl Licht- als auch Schattenseiten digitaler Helfer auf.

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Bits & Bites | Digitales Leben Thomas Hofbauer
Alexa, Siri und Cortana - drei neue Nothelferinnen SN/Karin & Uwe Annas - Fotolia
Alexa, Siri und Cortana – drei neue Nothelferinnen.

Barbara, Margareta und Katharina werden nur mehr selten zur Hilfe gerufen. Über Jahrhunderte waren sie Nothelferinnen für gläubige Bergleute, Gebärende und bei Sprachschwierigkeiten. Hilfe, die nur mehr selten benötigt wird. Mittlerweile suchen Menschen Unterstützung beim Onlineeinkauf. Das Bedürfnis, ak kurat unterhalten zu werden, steht höher im Kurs, als seine Artikulationsunfähigkeit zu überwinden. Und das Schürfen im Berg wurde durch die Suche in E-Mails und im Web abgelöst. Kein Wunder also, dass man jetzt Alexa, Siri und Cortana zur Hilfe ruft.

Die drei Damen sind Sprachassistentinnen. In Smartphones, Computern und im smarten Lautsprecher Echo von Amazon verrichten sie ihren Dienst. Einmal aktiviert, lauschen sie, bis jemand ihren Namen ruft und Wünsche oder Fragen äußert. Nach dem Wetter zum Beispiel, nach Nachrichten oder Musik. Besitzer eines smarten Zuhauses können mithilfe von Alexa, Siri und Cortana auf Zuruf auch das Licht dimmen, die Heizung abdrehen und die Jalousien öffnen. Praktisch. Vor allem werkeln die neuen Nothelferinnen auch noch zuverlässiger als Barbara, Margareta und Katharina, deren Allmacht streng wissenschaftlich nie nachgewiesen werden konnte.

Eine ganz besondere Rolle spielt Amazons Sprachassistentin Alexa seit dieser Woche bei Mordermittlungen in den USA. Ein Mann steht unter Mordverdacht, nachdem sein Bekannter nach einer durchzechten Nacht tot in seinem Whirlpool gefunden wurde. Der Tatverdächtige wohnt in einem smarten Zuhause. Nachdem er zugestimmt hat, dürfen nun Daten, die Alexa gespeichert hat, ausgewertet werden. Die Ermittler hoffen durch die Daten herauszufinden, ob jemand in der Mordnacht im Haus wach gewesen ist und die Assistentin absichtlich oder unabsichtlich aktiviert hat. Der Echo-Lautsprecher, in dem Sprachassistentin Alexa ihre Dienste tut, hat sieben Mikrofone, die darauf warten, dass das Schlüsselwort Alexa fällt. Dann aktiviert sich das Gerät und schickt die Sprachbefehle und Tonfragmente zur Verarbeitung in die Cloud der Server von Amazon. Dabei irrt sich Alexa immer wieder und wähnt sich öfter angesprochen, als ihr Besitzer tatsächlich etwas will. Auch dann werden Daten in die Cloud geschickt und gespeichert.

Die aufgezeichneten Tonfragmente sollen nun ausgewertet werden. Ob Alexa in diesem Fall zur Nothelferin für den Mordverdächtigen oder zur Zuarbeiterin für die Polizei wird, ist noch ungewiss. Tatsache ist aber, dass die neuen Nothelferinnen eine Verheißung einlösen, die man früher vor allem schlimmen Kindern angedroht hat: dass die da oben im Himmel über den Wolken (Englisch: cloud) alles hören, alles sehen und alles wissen. Endlich!

Aufgerufen am 16.11.2018 um 09:13 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/alexa-siri-und-cortana-drei-neue-nothelferinnen-299890

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