Fernbedienung mit Tücken

Sie ist nach dem Handy unser zweitliebstes "Kastl". Doch die Fernbedienung kann auch ein Eigenleben entwickeln.

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Bits und Bites Thomas Hofbauer
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OOOjeee, riefen mehrere im Konferenzraum, als der Bildschirm plötzlich schwarz war. Was war passiert? War jemand über das Kabel zwischen Computer und Bildschirm gestolpert? Hat der Laptop seinen Geist aufgegeben oder war gar der Strom ausgefallen? Wie furchtbar - schon der Gedanke daran. Doch das Rätsel war rasch gelöst, der überdimensionale Fernseher, der den Teilnehmern als Bildschirm diente, war im Standby. Wer hat ihn ausgeschaltet?

Kein Problem für den Organisator der Besprechung, er schnappte sich die Fernbedienung und drückte den roten Ein/Aus-Knopf, um das Gerät wieder einzuschalten. Das Gerät gehorchte auf Knopfdruck und alles wäre wunderbar gewesen, hätte man da nicht schon wieder ein OOOjeee gehört. Dieses Mal aus dem Nebenraum. Dort war man jetzt emsig dabei, den Grund zu finden, warum der gleiche riesengroße Fernseher, der dort wie hier als Bildschirm für eine Besprechung diente, aus war.

Man konnte die verdutzen Gesichter sehen, ihre Gedanken förmlich lesen, denn zwischen den beiden Besprechungsräumen war nur eine Glaswand.

Fernbedienungen funktionieren mit Infrarot-Licht, das ist zwar für das menschliche Auge unsichtbar, aber dennoch Licht. Und Glaswände sind für Licht kein Hindernis.

Das mit dem Licht war übrigens schon 1955, als die erste drahtlose Fernbedienung der Firma Zenith mit dem Namen "Flash-Matic" auf den Markt kam, ein Problem. Die erste kabel lose Fernbedienung funktionierte nämlich mit einem Strahl aus sichtbarem Licht, der auf einen von vier Sensoren in den Ecken des Fernsehgeräts gerichtet werden musste. Die "Flash-Matic" selbst war eine Kreuzung aus einer Taschenlampe und einer Pistole - man musste schließlich die richtige Ecke am Fernseher treffen. Leider geschah es damals sehr oft, dass das bloße Tageslicht den Fernseher einschaltete. Zu simple Technik, wie bei der "Flash-Matic", verfehlt oft das Ziel.

Mit einer ebenso simplen Methode behalf man sich auch in den beiden Besprechungsräumen: Der Sensor, der die Signale der Fernbedienung empfängt, war rasch gefunden und ein gezielter Schuss aus kurzer Distanz, wie mit der "Flash-Matic", schaltete auch den zweiten Fernseher ein. Gleiche Fernseher, gleiche Fernbedienungen, gleiches Repertoire an Schaltcodes gipfelten im Schlamassel.

Dass das Repertoire an Schaltcodes überhaupt ein nicht sehr breites sein kann, beweist auch die Fernbedienung der neuen Musikanlage im Zimmer des technikbegeisterten Filius. Sie schaltet beim Lauter- und Leiserdrehen der Musik die Farben der Zimmerbeleuchtung um. Lauter drehen hüllt das Zimmer in ein sattes Rot (welch glücklicher Zufall). Drückt man die Taste für leiser, beginnt die LED-Beleuchtung zu blinken. Es ist zum Verrücktwerden.

Die Fernbedienung ist eines der wenigen Dinge, bei dem etwas ausgefeiltere und damit kompliziertere Technik das Leben manchmal einfacher machen würde.

Aufgerufen am 12.11.2018 um 07:51 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/fernbedienung-mit-tuecken-368458

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