Es ist nicht einfach, nervenden Ansagen zu entkommen

Das Navi spricht, am Flughafen wird angesagt, im Zug ebenso. Dabei wird viel Stuss produziert.

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Bits und Bites Thomas Hofbauer
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"Nächster Aufenthalt: Linz", krächzte es aus der Lautsprecheranlage im Zug. Ich wollte aber nicht nach Linz. Zumindest nicht an diesem Tag, ich hatte es eilig, musste weiter nach Wien. Nach kurzer Zeit setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Es war also doch kein Aufenthalt, sondern nur ein Halt. Ein feiner Unterschied, dessen Missachtung mich bei den Ansagen im Zug immer wieder nervt. So sehr, dass ich nach der letzten Fahrt im Duden nachgesehen habe. Dort steht, dass der Aufenthalt die Unterbrechung einer Fahrt ist, der Halt hingegen eine kurze Unterbrechung. Also bitte, das nächste Mal will ich in den Stationen zwischen Salzburg und Wien nur halten und mich nicht aufhalten lassen!

Im Urlaub waren wir mit einem Leihauto unterwegs, dessen Navi hatte einen Sprachfehler: Es stotterte. Immer wenn es die Richtung angab, sagte es Sätze wie "Im Kreisverkehr die die zweite Ausfahrt nehmen". Das trieb mich in den Wahnsinn. Ich stellte den Ton ab, was wiederum dazu führte, dass wir uns mehrmals verfranzten. Egal, mein Seelenfrieden war mir wichtiger.

Wieder zu Hause benutzte ich eine neue Navigations-App am Handy, um mich nach Wien lotsen zu lassen. Auch wenn die Ansagen nerven, fahre ich diese Strecke normalerweise mit dem Zug. Dieses Mal hatte ich aber so viel Gepäck, dass mir das Zugfahren unmöglich war. Oder war das gar eine Ausrede, um den falschen Ansagen zu entkommen? Die Fahrt war dank Navi-App angenehm und ich fühlte mich im Straßenverkehr sicher. Auch den Gürtel und den Verkehrs-Wirrwarr beim Franz-Josefs-Bahnhof meisterte ich als Landei mit Bravour. Kurz vor dem Ziel setzte das wohlige Gefühl des Angekommenseins nach dreistündiger Autofahrt ein. Bis die Stimme des Navis verkündete: "Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht." Der neunte Bezirk mein Bestimmungsort? Ich war entsetzt. Während der zwei Tage, die ich dort verbrachte, fragte ich mich immer wieder, was denn meine Bestimmung im neunten Bezirk sein könnte, ich kam nicht drauf.

Ich fasste einen Entschluss: Bis zum nächsten Update des Navis nehme ich jetzt konsequent den Zug. Denn ein kurzer Aufenthalt ist immer noch besser, als auf Reisen aus heiterem Himmel seinen Bestimmungsort zu erreichen und für immer dort bleiben zu müssen.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 07:41 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/es-ist-nicht-einfach-nervenden-ansagen-zu-entkommen-1109548

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