Künstlich intelligent oder doch lieber naturdeppert?

Für Algorithmen, die im öffentlichen Sektor eingesetzt werden, ist eine eigene Prüfung entwickelt worden.

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Bits & Bites Thomas Hofbauer

Künstliche Intelligenz macht manchen Angst und viele haben Respekt vor ihr. Allem Künstlichen ist ja nicht zu trauen. Einem künstlichen, aufgesetzten Lächeln zum Beispiel. Mit der Intelligenz ist es genauso. Wenn jemand als besonders intelligent gilt, folgt meist ein Aber. Vermutlich finden wir deshalb das Gegenteil oft sympathischer: naturdepperte Menschen. Sie haben etwas so Harmloses, dass wir sie ständig unterschätzen. Den Gescheiten und den Blöden, die ihre Rollen am Ende tauschen, spielten uns schon Karl Farkas und Ernst Waldbrunn famos vor.

Als erstaunlich blöd erweist sich auch manche KI-Anwendung. Darum hat das Bundesrechenzentrum Kriterien für vertrauenswürdige künstliche Intelligenz entwickelt. Denn bisherige Systeme sind rassistisch (weil sie anhand von Weißen trainiert werden), bevorzugen Verschwörungstheorien (weil die überraschender sind) und geben schwachen Schülern schlechtere Noten (weil es immer schon so war). Algorithmen, die im öffentlichen Sektor eingesetzt werden, sollen auf Transparenz, Verantwortung, Datenschutz, Zuverlässigkeit und Gerechtigkeit geprüft werden. Gut so. Das schützt uns alle davor, dass in Zukunft die gescheite KI, auf die wir uns immer öfter verlassen, nicht am Ende doch blöd dasteht.

Noch etwas: Die Faszination des Überwältigenden dürfte dazu geführt haben, dass sich bei der Darstellung eines Petabytes in der Kolumne vor zwei Wochen ein Fehler eingeschlichen hat. Die benutzte Vergleichstabelle listete die Flächen von Ländern in 1000 Quadratkilometern auf. Der Wunsch, etwas Großes darzustellen, war wohl so stark, dass er dieses Faktum übersehen ließ, und so wuchsen 1133 Petabyte, die nicht einmal der doppelten Fläche des Stadtgebiets von Salzburg entsprechen, zum Tausendfachen an, was jedoch der nächsten Größe, einem Exabyte, entspricht. Bis wir in diesen Dimensionen rechnen, dauert es wohl noch zwei, drei Jahre.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 12:42 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/kuenstlich-intelligent-oder-doch-lieber-naturdeppert-92603101

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