Meinungsroboter, Forschungsroboter und Führungsroboter

Roboter nehmen uns die schwere Arbeit ab. Damit können wir uns arrangieren. Beim Denken und Führen hört sich aber der Spaß auf.

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Bits & Bites | Digitales Leben Thomas Hofbauer
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"Meinungsroboter im Internet vergiften nach einer Bundestagsstudie nicht nur die politische Debattenkultur, sondern können bei knappen Mehrheiten auch Wahlergebnisse beeinflussen", ratterte es diese Woche über den Fernschreiber. Social Bots hätten "das Potenzial, das Vertrauen in die Demokratie zu unterlaufen", heißt es in einem Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag. Bei unseren Nachbarn schrillen seit Wochen die Alarmglocken - zu Recht. 2017 ist ein Wahljahr und die Gefahr der automatisierten Stimmungsmache ist nicht zu unterschätzen. Wenn Meinungsroboter auch nicht argumentieren und überzeugen können, so können sie zumindest suggerieren, dass manche Themen wichtiger sind als andere, indem sie diese Themen immer wieder aufs Tapet bringen und so besonders viele Unterstützer suggerieren. Den Trick mit den falschen Größenordnungen nutzten bereits die Salzburger Stierwascher.

Ist das Verhältnis zwischen Menschen und Robotern also nachhaltig zerrüttet? Nein, das zeigt die wachsende Fangemeinde von Forschungsrobotern. Ob vom Mars, Jupiter oder einem Kometen, immer mehr Raumfahrzeuge berichten via Twitter von ihren Abenteuern und sammeln Hunderttausende Fans. Doch dahinter stecken gewiefte Social-Media-Teams, die dem Roboter die warmen Worte in den Mund legen. "Ich fühle mich nicht einsam", twitterte der Marsroboter "Curiosity" zu Weihnachten. Den Trick mit den herzigen Robotern nutzt die NASA, um Menschen die Weltraumforschung näherzubringen und so die eigene Existenz zu rechtfertigen.

Menschen mögen Roboter also nur, wenn sie eigentlich Menschen sind. Darum sieht Google-Infrastrukturchef Urs Hölzle für Firmenchefs noch lange keine Gefahr, durch Roboter ersetzt zu werden. Das gab er diese Woche auf dem fünften Worldwebforum in Zürich zum Besten. Google setzt sich wie kaum ein anderes Unternehmen mit maschinellem Lernen auseinander. Management und Führung hätten viel mit Interaktion, Motivation und vor allem Kommunikation zu tun. Doch menschliche Kommunikation zu verstehen sei für Computer derzeit noch zu schwierig. Bleibt nur noch die Frage, ob auch die Roboter, die in den Fabriken für den Firmenchef arbeiten, dessen Motivations- und Kommunikationskünste schätzen.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 10:49 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/meinungsroboter-forschungsroboter-und-fuehrungsroboter-495454

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