Wenn mit dem Update auch die Verzweiflung kommt

Software muss ständig erneuert werden, um sie sicher zu machen. Diese Neuerungen schießen aber oft über das Ziel hinaus.

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Bits und Bites Thomas Hofbauer
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Es war einer dieser Albträume. Ich stand vor dem Fahrscheinautomaten, der Zug war bereits in die Station eingefahren und ich versuchte verzweifelt, ein Ticket zu lösen. Doch es gelang mir nicht, denn alle Buttons waren woanders oder gar nicht zu finden, die Eingabehilfe für das Fahrziel verweigerte ihren Dienst, immer wieder vertippte ich mich und es wurden wahnwitzige Preise angezeigt. Der Zug war längst abgefahren, die Verzweiflung wurde immer größer und ich fragte mich, ob ich den nächsten erreichen werde.

Da wachte ich schweißgebadet auf. Neben der Freude, dem Automatenhorror entkommen zu sein, begann ich zu grübeln: über Updates, über Usability und wie flexibel ein Nutzer heutzutage sein muss bei Versionswechseln von Software, Apps oder Websites.

Beinahe jedes Software-Update stellt uns vor neue Herausforderungen. Hat man sich auf dem PC komfortabel eingerichtet, kommt ein Update und zerstört die gewohnten Abläufe. Das Gleiche am Smartphone: Hat man sich an eine App gewöhnt und ist einem die Benutzeroberfläche geläufig, kommt ein Update und man muss von vorn zu lernen beginnen.

Bei Teenagern dauert dieses Lernen Minuten, bei etwas älteren Nutzern kann die Umgewöhnung schon Stunden dauern. Aber wer denkt bei Computern, Handys und Tablets an Senioren? Wer heute um die 70 ist, hat oft schon ein halbes Berufsleben mit Computern gearbeitet und schätzt die Vorteile von Smartphones und Internet. Sehr oft werden Ältere aber auch zu ihrem Glück gezwungen, weil weitere Informationen zu einer interessanten Fernsehsendung nur mehr online abgerufen werden können. Auch Konzertkarten und Fahrscheine kauft man über das Internet billiger. Und Banken bestrafen Menschen, die ihre Mitarbeiter in Anspruch nehmen, in der Regel mit zusätzlichen Bearbeitungsentgelten.

Doch mit 70 ist man nicht mehr so flexibel wie mit 17 und die Verunsicherung ist groß, wenn das gewohnte Programm oder die gern genutzte App oder Website auf einmal völlig anders aussieht, neue und andere Menüpunkte hat oder mit unbekannten Begriffen gespickt ist. Dabei sind Updates wichtig und richtig, denn sie schützen die Software und damit ihre Nutzer vor Viren und Manipulationen. Doch muss man mit jedem Update auch gleich Bedienung und Aussehen verändern?

Es ist an der Zeit, dass Softwaredesigner und Programmierer ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass eine geänderte App oder ein Programm-Update so gestaltet sein muss, dass für Nutzer der Umstieg von einer auf die andere Version nicht schwierig oder gar ein Albtraum ist. Dabei sollten Veränderungen nicht aus reinem Selbstzweck gemacht werden, sondern dort, wo sie nötig sind. Nachhilfe dazu könnten die Softwaredesigner in diesem Fall bei ihren eigenen Eltern nehmen.

Aufgerufen am 16.11.2018 um 10:06 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/wenn-mit-dem-update-auch-die-verzweiflung-kommt-515977

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