Von der Stillen Nacht zur Einsamen Nacht

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Bits und Bites Thomas Hofbauer
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Mit den Kindern wachsen auch die Weihnachtsgeschenke. Zumindest die Wünsche. So liegt irgendwann ein Laptop statt Lego unter dem Baum. Und noch immer freut man sich auf die alte Tradition des gemeinsamen Zusammenbauens.

Doch kaum ist das technische Wunderding ausgepackt und eingeschaltet, schreit es erst einmal nach Updates. Davor muss man lediglich die Internetverbindung einrichten. Wie war noch einmal das Passwort? Statt Kerzen und Sternspritzern flackert der Bildschirm und zeigt abwechselnd "Einen Moment bitte" und "Haben Sie bitte etwas Geduld". Dazu kreist der "Spinner" am Bildschirm wie einst die Modelleisenbahn um den Baum. Stunden vergehen, die Eisenbahn wäre längst aufgebaut, genauso wie das dreihundertteilige Lego-Set.

Der Laptop hingegen schreit noch nach einem Virenscanner. Schöne Bescherung, auf den hat man beim Einkauf vergessen. Aber kein Problem, zum Download der Software im Internet reicht eine Kreditkarte. Und wenn die nicht bereits in der Vorweihnachtszeit verglüht ist, hat man flugs das Programm geladen und nach drei, vier Stunden einen funktionierenden Laptop.

Zufrieden zurückgelehnt bemerkt man schließlich, dass sich der Beschenkte längst zurückgezogen hat. Was wollte man seinem Kind mit dem Laptop eigentlich schenken? Mehr gemeinsame Zeit, weil der PC viele schneller arbeitet? Der Sprössling chattet inzwischen auf Facebook und WhatsApp mit Freunden über coole Weihnachtsgeschenke und Pläne für die kommenden freien Tage. Aber da wollten doch wir - gemeinsam - etwas - machen - wie jetzt? Verdammt! Darum
eine Empfehlung: Wer Technik verschenkt, darf sie vorher selbst auspacken, installieren und einrichten, dann bleibt mehr gemeinsame Zeit - zum "Mensch ärgere dich nicht"-Spielen beispielsweise.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 04:10 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/von-der-stillen-nacht-zur-einsamen-nacht-588319

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