Jesse Marsch verteilte in 90 Minuten sehr viel Lob

Erstmals konnten TV-Zuschauer einen Fußballtrainer während eines Spiels belauschen. Das ermöglichte Sky beim Bullen-Test gegen Chelsea. Ein Projekt mit Zukunft?

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Bullenstall Michael Unverdorben
Verkabelt: Bullen-Trainer Jesse Marsch. SN/gepa
Verkabelt: Bullen-Trainer Jesse Marsch.

Traditionen werden im Fußball hochgehalten. Eine davon ist, dass die Spielerkabine das "Heiligtum" einer Mannschaft und für Medien und Fans Tabuzone ist. Eine andere, dass das, was auf der Trainerbank gesagt wird, auch dort zu bleiben hat. Um sich vor Lippenlesern zu schützen, halten sich die handelnden Akteure neuerdings sogar die Hand vor den Mund. Zum großen Glück für Medien und Fans gibt es aber auch Menschen, die Innovationen gegenüber aufgeschlossen sind, ohne die Traditionen im Fußball mit Füßen zu treten. Jesse Marsch zum Beispiel. Der US-amerikanische Cheftrainer von Red Bull Salzburg ließ sich am Mittwoch beim Testspiel gegen Chelsea von Sky verkabeln. Im Wissen, dass seine Kommentare und möglicherweise auch die eine oder andere Kritik in den 90 Minuten alle TV-Zuschauer erreichen werden. Nun gut, Sky sendete seine Aussagen nicht ungeprüft, dennoch gewährte Marsch damit interessante Einblicke in einen Stadionbereich, der bisher öffentliche Tabuzone war.

Uwe König, Sportchef von Sky Österreich, zeigte sich mit dem Experiment "sehr zufrieden" und zog sowohl von technischer als auch von inhaltlicher Seite ein "positives Fazit". Fünf Mal pro Halbzeit wurde ein Kommentar von Marsch eingespielt. Vor allem verteilte der Bullen-Trainer dabei Lob an seine Mannschaft - trotz der 3:5-Niederlage. "Wir sind ein bisschen spät, aber wir sind so gut", sagte Marsch, meinte aber auch: "Wir brauchen mehr Umschaltmomente, ein bisschen mehr Qualität im letzten Drittel." Ein Sonderlob gab es nach einer Passabwehr einmal für Masaya Okugawa. "So good", bemerkte er diesmal auf Englisch.

Während man bei Red Bull Salzburg von einem einmaligen Projekt spricht, würde Sky solche Übertragungen - bei entsprechender Kooperation mit den Vereinen - gern ausweiten. Denkbar sei in (ferner) Zukunft auch eine Kamera im Mannschaftsbus und sogar im "Heiligtum", der Spielerkabine.

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