Nordkorea gegen Südkorea: Politisch aufgeladener Fußballgipfel

Von Liverpool nach Pjöngjang: Auf Salzburgs Stürmer Hee-Chan Hwang wartet im Trikot seines Nationalteams gleich die nächste große Aufgabe.

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Bullenstall Michael Unverdorben
Bullen-Torjäger Hee-Chan Hwang ist ins südkoreanische Nationalteam eingerückt.  SN/AP
Bullen-Torjäger Hee-Chan Hwang ist ins südkoreanische Nationalteam eingerückt.

Mit seinem erfolgreichen Dribbling gegen Liverpools Abwehrchef Virgil van Dijk hat es Hee-Chan Hwang inzwischen auch zum YouTube-Star geschafft. Hunderttausende Male wurde das Video schon geklickt, das zeigt, wie Hwang Europas Fußballer des Jahres narrte. Sein sehenswertes Tor und sein Assist beim 3:4 gegen den Titelverteidiger der Champions League waren der vorläufige Höhepunkt in einer Saison, die für den Stürmer von Red Bull Salzburg perfekt begonnen hat. Mit dem Selbstvertrauen aus sieben Toren und zehn Vorlagen (bei elf Einsätzen) ist Hwang zum südkoreanischen Nationalteam gereist. Und dort wartet auf den 23-Jährigen aus der 270.000-Einwohner-Stadt Chuncheon in der Provinz Gangwon-do gleich die nächste große Aufgabe.

Am 15. Oktober kommt es im Kim-Il-sung-Stadion der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang zum politisch aufgeladenen Fußballgipfel zwischen Nordkorea und Südkorea. Die verfeindeten Nationen waren gemeinsam in die Gruppe H der Asien-Qualifikation für die WM-Endrunde 2022 in Katar gelost worden. Seither wartet man gebannt auf das sportliche Duell, das zuletzt vor zwei Jahren im Rahmen der Ostasienmeisterschaft stattgefunden hat. Südkorea siegte mit 1:0. Bullen-Torjäger Hwang war damals noch nicht mit von der Partie. Statt eines roten Bullen trägt Hwang im südkoreanischen Nationalteam einen schwarz-weißen Tiger auf der Brust. Der steht für den Stolz des WM-Dritten von 2002, was Hwang dazu inspirierte, Fußballprofi zu werden. Dazu ist auf dem Rücken der Spruch "Tu-Hon" aufgedruckt, was so viel wie "Kampfgeist" bedeutet.

Zuletzt hatte der Sport den seit dem Koreakrieg (1950 bis 1953) verfeindeten Bruderstaaten immer wieder zur Annäherung gedient. Sowohl bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang als auch bei den Asienspielen in Indonesien waren Sportler beider Nationen gemeinsam unter der blau-weißen Einheitsflagge ins Stadion eingezogen. In Pyeongchang gab es sogar eine gemeinsame Mannschaft im Eishockey-Wettbewerb der Frauen.

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