Wer fürchtet sich vor dem Geisterspiel?

Salzburgs Erfolgstrainer Marco Rose sieht in dem Duell ohne Zuschauer eine unangenehme Situation für beide Seiten. Eine spezielle Matchvorbereitung braucht es deshalb aber nicht.

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Bullenstall Michael Unverdorben

Das Hinspiel im Champions-League-Play-off zwischen Roter Stern Belgrad und Red Bull Salzburg findet heute, Dienstag (21 Uhr), unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der serbische Meister wurde von der UEFA wegen rassistischer Gesänge seiner Fans im Qualifikationsmatch gegen den litauischen Vertreter Marijampole Ende Juli als Wiederholungstäter zu zwei Geisterspielen verdonnert.

Und auch sonst dürfte die Partie einer breiten Öffentlichkeit verborgen bleiben, übertragen wird das Play-off-Hinspiel nämlich erstmals exklusiv vom kostenpflichtigen Streamingdienst DAZN, der in Österreich gerade dabei ist, Reichweite aufzubauen. Pay-TV-Sender Sky, der Hauptrechtehalter an der Champions League, überträgt die Partie in Konferenz. Unser Tipp daher: Die "Salzburger Nachrichten" bieten auf www.sn.at ihren bewährten Liveticker.

In Belgrad hat niemand eine Freude mit dem Duell vor leeren Rängen in dem 55.000 Zuschauer fassenden Stadion, auch Red Bull Salzburg nicht. Bullen-Coach Marco Rose meinte: "So ein Geisterspiel ist für niemanden schön, weder für die dort noch für uns. Für alle Beteiligten ist das eine sehr unangenehme Situation." Eine spezielle Matchvorbereitung, etwa durch Salzburgs Mentalcoach Ulf Häfelinger, gebe es deshalb nicht, weil es schlicht nicht notwendig sei. Co-Trainer René Aufhauser betonte: "Die Kommunikation ist ohne Lärm im Stadion wesentlich leichter, ansonsten ändert sich für die Spieler nicht viel." Böse Zungen behaupten sogar, man sei aus schwach besuchten Spielen in der österreichischen Bundesliga an solche Geisterkulissen gewöhnt.

Die Ausnahme in Belgrad bilden rund 100 Personen, die trotz UEFA-Sanktionen ins Stadion dürfen. Journalisten und Gäste aus der sogenannten First-Class-Kategorie, angeführt von Ehrenpräsident Rudi Quehenberger, bringen ein wenig Leben ins Geisterstadion.

Anstatt mit dem leeren Oval haben sich die Bullen eingehend mit der Gegneranalyse beschäftigt. Der Tenor: Roter Stern Belgrad ist ein Gegner, der den Bullen alles abverlangen wird. "So ein Champions-League-Play-off ist schon eine sehr große Hürde. Beide wollen unbedingt weiterkommen. Deshalb müssen wir auf den Punkt da sein, um diese Chance wahrzunehmen. Und wir brauchen Vertrauen in uns selbst und zwei gute Tage", sagte Trainer Rose.

Die Serben haben - ebenso wie Salzburg übrigens - nur zwei ihrer letzten 25 Europacup-Matches verloren, zudem ist die Elf von Trainer Vladan Milojević in ihrer Heimat, wiederum wie Österreichs Meister, aktueller Tabellenführer ohne Punkteverlust. Der 48-jährige Milojević setzt meist auf ein defensiv orientiertes 4-2-3-1-System. In bisher zehn Pflichtspielen hat Belgrad nur vier Gegentreffer kassiert.

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