"Live im SK1": "Hörtnagl-Sessions" für ältere Semester

Schnurren, ein paar im Tonstudio eingespielte Lieder und gut gemeinte Ratschläge aus dem Mund von Rainhard Fendrich: Der ORF hat eine "neue Musikreihe".

Autorenbild
Durchgeschaut Martin Behr
„Live im SK1“: Rainhard Fendrich im Gespräch mit Benny Hörtnagl SN/orf
„Live im SK1“: Rainhard Fendrich im Gespräch mit Benny Hörtnagl

"Live im SK1" erschließt sich als Titel einer TV-Sendung nicht sofort. Live im "Sportklub 1"? "Live im Süddeutschen Kartell 1"? Mitnichten. "SK1" steht hier für "Synchronkomplex 1", einem 2005 in Betrieb gegangenen Tonstudio im ORF-Zentrum Wien. Ein "Musikspielplatz", wie es der unter anderem dem Radiosender Ö3 bekannte Moderator Benny Hörtnagl, der Moderator von "Live im SK1" formuliert. In insgesamt sechs Ausgaben werden hier heimische Musiker zu Gast sein - Voodoo Jürgens, Avec, Seiler und Speer, Oehl und Wanda sowie zum Auftakt einer, der Quote bringen kann: Rainhard Fendrich.

Mit 65 Jahren, da hat man Spaß daran

Der "Musikdienstleister" (Eigendefinition Benny Hörtnagl) befragt den 65-jährigen Rainhard Fendrich, der sich voll "Lebensfreude" präsentiert und ein paar Weisheiten wie "Alt ist man dann, wenn man an der Vergangenheit mehr Freude hat als an der Zukunft" parat hat. Als Hörtnagl ihm via Handy ein paar Lobhudeleien von jungen Fans vorspielt, antwortet Fendrich launig mit Verweis auf den möglichen Alkoholkonsum der Befragten. Dann spielt der Musiker, der mit seiner Band in den "SK1" gekommen ist, "Vü schöner is des G'fühl" und der rot-weiß-rote Hadern wirkt ein bisschen überarrangiert. "Strada del Sole", solo, nur mit Gitarre, ist da viel eindrücklicher.

"Strada del Sole" mit Happy End

Man könnte in Anspielung an die legendären "Peel Sessions" (Studioaufnahmen von Bands, die Radiomoderator John Peel für das Programm von BBC Radio 1 ausgewählt hatte), von "Hörtnagl Sessions" im TV sprechen. Doch dafür ist die Sendezeit von 30 Minuten (und geredet wird ja auch) zu kurz. Immerhin erfährt man von Fendrich, dass jene Frau, die ihren Mann wegen eines Italieners verlassen hatte - was wiederum ihn zum Song "Strada del Sole" inspiriert hat - nach einiger Zeit zu ihm zurückgekehrt ist. Und: Das Paar ist angeblich immer noch glücklich verheiratet. Ein Happy End also nach Amore "auf sentimentale und auf da Matraza".

Rainhard Fendrich stellt noch mit dem Lied "Mein Leben" unter Beweis, wie sehr er sich im seinem Spätwerk dem Liedgut von Udo Jürgens annähert und gibt gut gemeinte Ratschläge, gegen Rechtspopulismus, Rassismus und Fake News aufzustehen. Am Ende nötigt Benny Hörtnagl, der seine Tattoos lüften darf, die Austropop-Legende dazu, das Format von "SK1" zu loben. Hätte nicht sein müssen.

Aufgerufen am 02.12.2020 um 03:51 auf https://www.sn.at/kolumne/durchgeschaut/live-im-sk1-hoertnagl-sessions-fuer-aeltere-semester-92566513

Kommentare

Schlagzeilen