"Vorstadtweiber": Vom Stringtanga in die Stützstrumpfhose

Auftakt für die sechste und letzte Folge der ORF-Serie "Vorstadtweiber": Im Finale ist das Alter ein Thema. Sind die einstigen "Königinnen der Vorstadt" nur noch "Vorstadtzombies"? Im beabsichtigten Drehbuch-Feuerwerk finden sich auch Rohrkrepierer. Aber vielleicht kommt das Beste tatsächlich ja noch zum Schluss?

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Durchgeschaut Martin Behr
Die „Vorstadtweiber“ in Aktion: Waltraud Steinberg (Maria Köstlinger), Nicoletta Huber (Nina Proll)und Sonia Clementi (Ines Honsel). SN/orf/mr film
Die „Vorstadtweiber“ in Aktion: Waltraud Steinberg (Maria Köstlinger), Nicoletta Huber (Nina Proll)und Sonia Clementi (Ines Honsel).

Ist der Partner nach dem Sex aus Fadesse eingeschlafen oder handelt es sich um einen Fall von "Paarungsekstase"? Alles bloß Ansichtssache und auch über das Alter gibt es unterschiedliche Meinungen. Da holen sich Waltraud Steinberg (Maria Köstlinger), Nicoletta Huber (Nina Proll) und Sonia Clementi (Ines Honsel) eine attraktive Dessousvertreterin ins Haus, doch diese schockt das Trio mit folgender Frage: "Habt ihr in eurem Alter auch noch Sex?" Die "Vorstadtweiber" (Montag, ORF 1, 20.15 Uhr) sind wieder da: Diesmal mitten in einem knallharten Realitäts-Check zwischen Dehnungsstreifen und Stützstrumpfhosen, Schlupflidern und "Teebeuteltitten".

In der sechsten und letzten Staffel der "Vorstadtweiber" geht es um das Älterwerden. Die einst Begehrten werden damit konfrontiert, dass sie sich vielleicht schon auf dem gesellschaftlichen Abstellgleis befinden. "Wir waren einmal die Königinnen der Vorstadt, jetzt sind wir Vorstadtzombies", fasst Nicoletta Huber den irgendwo zwischen Fledermausärmeln und Titanic-Ringen in der Bauchregion ("Rettungsring, bei dem alles zu spät ist") angesiedelten körperlichen Befund zusammen. Das Drehbuch von Uli Brée bleibt seinem bisherigen Erfolgsmotto treu: Immer wenn du glaubst, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo was Schlüpfriges her. Die Wienerische Variante von "Sex and the City" hatte nach starkem Serienbeginn mit ebensolcher Ausdünnung zu kämpfen, jetzt will man noch einmal durchstarten. "Das Beste kommt zum Schluss", heißt es in der ORF-eigenen Werbung.

"Ciao alte Frau": Der Auftakt zum Finale brachte neben Dialogen über den Wechsel vor allem Reminiszenzen über vergebene Chancen in Sachen Liebesg'schichten und Heiratssachen und Szenen aus einem Cicisbeo-Casting für Sonia Clementi. Für Nicht-Eingeweihte: Ein Cicisbeo ist ein galanter Begleiter für die Dame des Hauses. In einer Gastrolle schmetterte Rudi Roubinek "Dein ist mein ganzes Herz" und bekam den Job aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Die Nebenhandlung spielte in der Psychiatrie, wo Vanessa (Hilde Dalik) als eingebildete Madame de Pompadour mit ihrer Unterbringung nicht einverstanden ist und Zimmergenossin Chantal (Helene Stupnicki) von den Geistern ihrer Vergangenheit heimgesucht wird. Der Witz rund um das "Vogeldoktor"-Geschehen ähnelt jenem aus alten Peter-Alexander-Filmen. Muss man mögen. Immerhin 621.000 Zuschauer (Marktanteil: 20 Prozent) ließen sich die Kalamitäten von Maria Köstlinger, Nina Proll, Ines Honsel und Hilde Dalik nicht entgehen.

In der Regie von Miriam Unger gibt es letztlich wenig Überraschungen: Das komödiantische Reden aus Frauenmund über Sex tut dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen insgesamt gut, freilich könnte alles noch griffiger, provokanter, weniger geschliffen und weniger der Mainstream-Gaudi verpflichtet sein. Ein bisschen mehr Erdung - siehe "Kaisermühlen Blues" - würde dem Treiben guttun. Das beabsichtigte Drehbuch-Feuerwerk gerät auch allzu konventionell - Rohrkrepierer inklusive. Aber: Vielleicht kommt das Beste ja wirklich erst zum Schluss?

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