Ein verstecktes Kar

Nach einem steilen Auftakt folgen der bezaubernde Tappenkarsee und das Draugsteintörl als Draufgabe.

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Fit in die Natur Wolfgang Tonis
Ein verstecktes Kar SN/sn
Tiefblick zum Tappenkarsee beim Übergang zum Draugsteintörl.

Es lohnt, den Weg zum Tappenkarsee möglichst zeitig am Morgen anzugehen. Denn gleich beim ersten Teilstück werden die mächtige Trogschlusswand und ein Höhenunterschied von gut 500 m überwunden.

Hier windet sich der Weg in Kehren beschwerlich höher, führt knapp an den Wasserfall heran, der über die mächtige Felswand stürzt und dessen Sprühnebel einen Hauch von angenehmer Kühle fühlen lässt.

Nach dem oberen Felsriegel und eineinhalb Stunden Anstieg öffnet sich plötzlich ein Bergkessel mit dem smaragdgrünen See. Was die Herkunft seines Namens betrifft, so gehen die Meinungen auseinander: einerseits als Ableitung von "Etappe", was auf den bezaubernden Rastpunkt hindeutet. Andere Herleitungen könnten auf das alte Weidegebiet oder auf das versteckte, abgeschlossene Kar hindeuten.

Dem Sagenreich zugerechnet muss wohl auch der Lindwurm werden, der hier in 1763 Meter Höhe gehaust haben soll und Stoff für Legenden liefert. Wahr hingegen ist, dass die Fische aus dem Tappenkarsee lange Zeit den Salzburger Erzbischöfen vorbehalten waren. Damit sie den weiten Transport nach Salzburg gut überstanden, wurden sie in Kleinarl noch vorsorglich in Butterschmalz geröstet.

Nach der Verschnaufpause geht es am Seeufer direkt an den Felsen weiter zur Tappenkarseealm und geradewegs zur etwas höher gelegenen und schon von weitem sichtbaren Tappenkarseehütte (AV, 1820 Meter). Von der Hüttenterrasse aus lässt sich ein guter Blick südwärts ins weite Kar und zum Haselloch, dem alten Übergang in den Lungau, werfen. Bei der Hütte beginnt dann auch der Anstieg zum Draugsteintörl (Weg 702A).

Viele kleine Rinnsale und Feuchtflächen sorgen für eine üppige Flora, während der markierte Weg mit angenehmer Steigung in gut einer Stunde das Draugsteintörl (2077 Meter), den Übergang ins Großarltal, erreicht. Unter dem hölzernen Kreuz bietet sich ein herrlicher Rastplatz und Schaubalkon auf die umliegende Bergwelt.

Anschließend geht es direkt zur Tappenkarseealm (Wegnummer 87) hinab, wobei der Steig die letzte Höhenstufe sehr steil zum See hinabführt. Von hier folgt der Rückweg wieder der bereits bekannten Route zum Ausgangspunkt.

So kommen Sie hin: Über Flachau auf der Tauernautobahn (A10) oder St. Johann nach Wagrain und nach Kleinarl. Weiter Richtung Talschluss zum Jägersee und anschließend die vier Kilometer lange Mautstraße (4,80 Euro) bis zum Parkplatz Schwabalm.

Gesamt:
5 ½ Stunden, 880
Höhenmeter, 12,7 Kilometer.

Karte: f & b WK 191.

Info: www.tappenkarseehuette.at

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