A-lles B-öse B-raucht A-lternativen

Von dem Moment, als klar war, dass es ABBA auch mit Atombomben aufnehmen.

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Fliehers Journal Bernhard Flieher

Bei Kennedy war ich noch nicht geboren, bei der Mondlandung noch ein Baby. Bei Klammer und Córdoba sah ich fern bei Freunden. Bei 9/11 lag ich im Bett mit Lungenentzündung. Und nun rolle ich durch Tullnerbach. Dort piepste dank Spiegel Online die Eilmeldung von der Wiedervereinigung von Abba in die Westbahn auf dem Weg nach Salzburg.

Die schwedische Überdrüber-Popband hat zwei neue Lieder. Es kann doch kein Zufall sein, dass das just an jenem Tag bekannt wird, als sich in Korea Abrüstung abzeichnet. Im Netz konnten Kim Jong Un und Moon Jae In trotz ihrer neuer Liebe nichts ausrichten gegen die As und Bs aus Schweden. Das liegt wohl daran, dass Abba die Liebe nicht vortäuschen, sondern immer nur eines taten: Sie machten immer und - jetzt einmal ehrlich: immer allen - Freude.

Es ging nur um den richtigen Moment, sie zu hören: Dann bleibt auch die Abgesangshymne One Of Us kein Popsong, sondern wird existenzialistisches Drama.

Einmal, beim Auflegen bei einer Party, fragte ein arroganter Popdiskurs-Schnösel, wie es denn sein kann, dass man - also ich - mit Freude AC/DC und Abba auflegt, wenn man doch als Dylanier bekannt ist. Vielleicht ist das einfach Kompensation. Dylan und so viel anderes muss man immer erklären. Abba nicht, obwohl sich auch das lohnen würde. Abba funktioniert seit ich denken kann von ganz allein, keine Grenzen, nicht auf dem Tanzboden nicht im Hirn. Trotzdem fehlt Abba die Banalität, die der uns sonstige Superhitfabrikaten tyrannisieren. Abba ist raffiniert, Nichts biedert sich an. Nichts ist peinlich (gut, das Outfit war's manchmal schon).

Nun, noch wissen wir nicht, wie die neuen Songs klingen werden. Aber was soll's! Wir haben "Does Your Mother Know" und "The Day Before You Came". Kennen Sie nicht? Dann wird's Zeit, weil "Super Trouper", "Mamma Mia" und "Waterloo" kann eh jeder mitsummen. Und wenn sie jetzt wieder selbst singen, der Björn, der Benny, die Agnetha und die Anna-Frid, dann müssen Meryl Streep und Pierce Brosnan das in dämlichen Musical-Verfilmungen nicht mehr tun.

Abba ist alles. Abba gehören zum Hintergrundrauschen der Gegenwart. Abba sind wir alle, ob wir mögen oder nicht.

Und worüber jetzt nichts mehr gesagt oder geschrieben werden kann, dazu muss man eben tanzen, schmusen, in Erinnerungen schwelgen. Und manche sind ja tatsächlich Dancing Queens, die haben aber dann doch meist mit den anderen getanzt.

Aufgerufen am 16.09.2019 um 11:22 auf https://www.sn.at/kolumne/fliehers-journal/a-lles-b-oese-b-raucht-a-lternativen-27232453

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