Der Mozart hat auf einem Spielplatz nichts verloren

Wenn sich's Essen auf die Ohren schlägt, wird's gefährlich. Umgekehrt stimmt: Es kann einem von Musik richtig schlecht werden.

Autorenbild
Fliehers Journal Bernhard Flieher

Da gäb's auch welche, die sich gefreut hätten, wenn durchs Bürofenster vom Glockenspiel "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" klänge. Aber die Frau im deutschen Limburg freut das nicht. Sie lebt vegan. Das braucht Verständnis, weil es reißt bei der Frau schon die bloße Erwähnung vom "Jäger mit dem Schießgewehr" ein Albtraumland auf, gegen das chronische Gastritis ein Kindergeburtstag sein muss. Ja eh: Jagen ist problematisch. Töten und so. Doch schon Mammuts hüpften nicht freiwillig ins Lagerfeuer und ein Hirsch legt sich auch nicht schlafen und sagt: Jetzt werde ich zum Ragout und bitte serviert mich dann mit Rotkraut und Semmelknödel. Limburgs Bürgermeister verstand die Not der Frau. Er strich das Lied von der Glockenspiel-Liste. Diese Bürgerfreundlichkeit fordere ich jetzt auch. Aus dem Geschäft neben der Bushaltestelle dudelt Hitparaden-Gleichheitsscheiß. Sportsendungen werden öfters mit Volksdümmlichkeit unterlegt. Da darf mir doch schlecht werden?! Ein Verstoß gegen die Menschenrechte ist außerdem der Sound in Einkaufszen tren. Selbst Mozart nervt, wenn er aus einem Touribus dröhnt. Nennen Sie mich krank, aber ich halte das aus. Ich frage mich nun im Angesicht der veganen Weltrevolution: Schaffe ich das, weil ich's Salatbuffet zwar auch mag, aber auch Schweinsbratl schätze und mich immer wieder praktisch erinnere, wie ein Leberkässemmerl schmeckt? Aber ich bin eh verloren. Doch was ist mit den Kindern? Da gibt es nämlich diesen Spielplatz in Salzburg, benannt nach Papageno aus Mozarts "Zauberflöte". Und der, bitte, war vegan und sonst gesehen ein ganz Arger. "Alle Vögel sind ja mein", singt er, von Beruf Vogelfänger. Wo bitte bleiben die Selbsthilfekommandos des Tierschutzes und der Kinderbewachung? Auf dem Spielplatz können die lieben Kleinen auf einem Tanzglockenspiel die Melodie zum Vogelfang nachhüpfen, das ist ja wie ein Sprung in den Abgrund. Dass der Papageno in der zweiten Strophe auch noch Mädchen mit einem Netz fängt, stört fast nicht mehr. Sind ja selber schuld . . . Mir ist klar, dass Salzburgs Bürgermeister derzeit andere Probleme hat, aber: Hier ist Gefahr in Verzug, nicht bloß wegen des Vogelfangs. Es wurden schon Leute gesehen, die nahe der Spielgeräte antivegan jausneten. Ich selbst sah Leberkässemmerlesser ungeniert vor Kindern abbeißen! Es bleibt nur eines: Der Spielplatz muss geschlossen werden - oder man errichtet rundherum eine Mauer.

Aufgerufen am 12.12.2018 um 05:27 auf https://www.sn.at/kolumne/fliehers-journal/der-mozart-hat-auf-einem-spielplatz-nichts-verloren-382651

Schlagzeilen