Kinderverzicht im Namen des Klimas - ein bedenklicher Vorstoß

Gebärstreik. Mit dieser Bewegung werden Frauen wieder einmal unter Druck gesetzt. Wirkliche Hilfe fürs Klima schaut anders aus.

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Frauensache Karin Zauner

Birthstrike - Gebärstreik. Seit Monaten machen Frauen und wenige Männer mit der Ansage, dem Klima zuliebe auf Kinder verzichten zu wollen, von sich reden. Ihr zentrales Argument lautet, es gebe ohnehin schon zu viele Menschen auf dieser Erde, mehr würden bedeuten, dass die Klimaerwärmung noch schneller voranschreitet.

In einer ersten Reaktion ist man versucht, diese Bewegung als absurd abzutun. Bei näherer Betrachtung macht es einen betroffen, wie groß mittlerweile die berechtigten Ängste und Sorgen ums Klima sind, wenn junge Frauen, die gern Kinder hätten, im Namen des Klimas freiwillig darauf verzichten.

Doch dann folgt Ärger. Ärger darüber, dass versucht wird, das Problem zu individualisieren - und es wieder einmal den Frauen umzuhängen. Das ist besonders problematisch, weil mit der Fridays-For-Future-Bewegung weltweit Millionen Jugendliche und sehr junge Menschen gegen den Klimawandel demonstrieren und sich für mehr Bewusstsein bei Umweltschutz und Klimaschutz einsetzen. Denn junge Menschen sind besonders beeinflussbar.

Frauen und Mädchen wird von den Gebärstreikenden eine Bürde auferlegt. Es wird ihnen signalisiert, dass es eben nicht genügt, auf Flugreisen, Autofahren und Fleisch zu verzichten, sondern dass sie dafür auch ihren Kinderwunsch begraben müssen.

Das ist ein Angriff auf die Individualität. Geburtsverzicht ist nichts anderes als eine weitere Norm, die Frauen erfüllen sollen, und eine weitere Norm, die Frauen in Schach hält. Gebärende Frauen werden als Egoistinnen abgestempelt, die wegen ihres Wunsches nach Kindern und Familie gleich auch noch die Umwelt zerstören. Von zeugungswilligen Männern ist nicht die Rede. Dass dies alles unter dem Mäntelchen Klimawandel passiert, macht es nicht besser.

Forscher haben berechnet, dass der Verzicht auf Kinder langfristig betrachtet den
CO2-Ausstoß stark reduziert. Ist ja sehr bequem: Keine Kinder mehr, und wir machen weiter wie bisher? Aussterben der Menschheit täte dem Klima ohne Frage gut.

Abgesehen davon, dass weniger junge Menschen auch unser Sozialgefüge, unser Pensionssystem und die Wirtschaft schwer beeinträchtigen würden, muss unser Ziel doch lauten, sofort etwas zu ändern. Unser Mobilitätsverhalten, den Ressourcenverbrauch, unseren Alltag mit zu viel Müll und Verschwendung.

Doch dies alles ist mühsam. Der Verzicht von Frauen auf Kinder klingt da viel einfacher. Dabei wird übersehen, dass in vielen Ländern Frauen wegen fehlenden Zugangs zu Aufklärung, Verhütung oder Schwangerschaftsabbrüchen ungewollt Kinder bekommen.

Aufgerufen am 22.10.2019 um 10:44 auf https://www.sn.at/kolumne/frauensache/kinderverzicht-im-namen-des-klimas-ein-bedenklicher-vorstoss-70734940

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