Mehr Prohaskas braucht das Land!

Wenn Männer wie Jahrhundert-Fußballer Herbert Prohaska, ernsthaft und wertschätzend über Frauen im Fußball im Speziellen und über Frauen im Allgemeinen sprechen, erreichen sie viel.

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Frauensache Karin Zauner

Österreichs Jahrhundert-Fußballer Herbert Prohaska traf am Donnerstag im Nachttalk von Barbara Stöckl im ORF erstmals auf Nadine Prohaska. Die Mittelfeldspielerin, die mit ihren Kolleginnen heuer bei der Fußball-Europameisterschaft mit dem Halbfinal-Einzug ein Sommermärchen schrieb, ist nicht mit der Austria-Legende verwandt, um so spannender war ihr Zusammenkommen im Fernsehen. Was Herbert Prohaska dann in der Sendung sagte, war so etwas wie eine berührende Liebeserklärung an Frauen und ihre Leistungen.

Auf die Frage, wie er darauf reagiere, wenn Leute ihn auf seine vermeintliche Fußballer-Tochter Nadine Prohaska ansprechen, meinte er sinngemäß. Bis zum Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft habe er stets erklärt, dies sei nicht seine Tochter, doch im Halbfinale habe er sie dann quasi adoptiert. Charmanter kann man Wertschätzung gegenüber den erfolgreichen österreichischen Fußballerinnen kaum ausdrücken. Auch als ihm ein Interview aus seinen jungen Jahre vorgespielt wurde, in dem er sinngemäß sagte, es käme nicht in Frage, dass seine Ehefrau Fußball spiele, reagierte er so, wie man sich dies wünscht. Er entschuldigte sich, dass er damals so einen Blödsinn von sich gegeben hätte.

Es sind Momente wie diese, in denen Sportlergrößen wie Herbert Prohaska ehrlich, aufrichtig, professionell und mit Achtung über Fußballerinnen sprechen, die zeigen, was Nadine Prohaska und ihre Kolleginnen bei der Europameisterschaft abgesehen von der sportlichen Leistung bewirkt haben. Die Fußballerinnen haben eine breite Öffentlichkeit davon überzeugt, dass Frauen auch in von Männern dominierten Bereichen tolle Leistungen bringen. Und dass das Geschlecht schlichtweg keine Rolle spielt. Österreich ist ein so kleines Land, mit so wenigen herausragenden Leistungen in vielen Bereichen, dass wir es uns schlicht und einfach nicht leisten sollten, tolle Frauen zu diskriminieren. Das gilt für den Fußball ebenso wie für die Industrie oder die Forschung.

Als im Vorfeld des WM-Qualifikations-Spiel Österreich gegen Wales gestern, Samstag, ein Kabarettist meinte, der Nationaltrainer des Herren-Teams, Marcel Koller, sei entspannt, weil auf der Reservebank Laura Feiersinger und ihre Kolleginnen säßen, kam Freude auf. Denn wenn es die Fußballerinnen bis in die Comedy schaffen, haben sie es in die Herzen und Hirne der Österreicher geschafft.

Männer wie Herbert Prohaska, der in Österreich unbestritten auch Männer-Stolz und Männer-Ehre verkörpert, spricht im Fernsehen sachlich als Experte, wertschätzend als Mensch und kritisch sich selbst gegenüber über Frauen, und das mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die Freude macht. So bestätigte er zum Thema niedrige Pensionen für Frauen, wie viel Freude aber auch Arbeit Kinder machen. Dies untermauerte er mit einer Geschichte aus seinem jüngsten Urlaub mit vier Enkelkindern, bei dem er trotz üppigen Essens abgenommen hatte.

Frauen und Mädchen brauchen weibliche Vorbilder, um erfolgreich zu sein und dorthin vorzustoßen, wo sie noch eine Minderheit sind. Männer wie Frauen brauchen aber auch Vorbilder wie Herbert Prohaska, die ein großes Publikum haben und die Kluges über Gleichberechtigung sagen, weil sie davon überzeugt sind. In diesem Sinn braucht das Land mehr Prohaskas! Mehr Nadine und mehr Herbert Prohaskas!


Aufgerufen am 21.11.2018 um 07:00 auf https://www.sn.at/kolumne/frauensache/mehr-prohaskas-braucht-das-land-17044225

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