Sechs fast unglaubliche Geschichten über die Winterpause

Wenn der Schnee leise auf den grünen Rasen rieselt, ruht der Ball. Oder zumindest fast. Eine Geschichte von eisigen Plätzen, hitzigen Watschenduellen und mitternächtlichen Faxpannen.

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Hauptsache Sport Gerhard Öhlinger
Fußball im Winter.  SN/gepa
Fußball im Winter.


Serien-Herbstmeister

Wer sagt, dass Herbstmeister ein Titel ohne Mittel ist? In Österreich gab's bis 2016 einen schönen Pokal für den Halbzeitführenden. Und die SV Ried als zweimaliger Gewinner der Trophäe (2010, 2011) darf sich fast als Serien-Herbstmeister bezeichnen.

Keine Sorgen, dafür eine schöne Trophäe: Ried-Funktionäre freuten sich gleich zwei Mal über den Herbstmeistertitel.  SN/gepa
Keine Sorgen, dafür eine schöne Trophäe: Ried-Funktionäre freuten sich gleich zwei Mal über den Herbstmeistertitel.


Stefani-Kick mit Goleador

Während alle anderen den Weihnachtsbraten verdauen, zelebrieren die Briten ihren "Boxing Day". Ein einziges Mal spielte man auch in Österreich zu Stefani Fußball: Als 1977/78 die Vorbereitungszeit für die WM in Argentinien knapp wurde, musste am 26. Dezember eine Cuprunde durchgezogen werden. Und Hans Krankl fluchte wenige Monate vor Cordoba über einen mühsamen Aufstieg im Elferschießen auf Kapfenberger Schneeboden.

37 von 36 Spielen

Andreas Ulmer ist der Chuck Norris des Fußballs: 2008/09 bestritt er 37 Spiele in einer Saison mit 36 Runden. Weil er in Ried noch ein vorgezogenes Frühjahrsmatch der 19. Runde absolvierte und nach seinem Winterwechsel zu Red Bull Salzburg alle 18 Frühjahrsspiele, gelang dieser einzigartige Coup.

(H)eißlaufen in Grödig

Eine Kältewelle unterschätzt hat der SV Grödig in der Winterpause 2014/15. Die Versuche, die festgefrorene Schneedecke mit Schaufel und Spitzhacke vom Rasen zu entfernen, hinterließen eine unbespielbare Eis- und Erdwüste. Der Lizenzentzug drohte, Manager Christian Haas reagierte und ließ in Rekordzeit eine Rasenheizung installieren.

Eislaufplatz Untersbergstadion im Winter 2015.  SN/gö
Eislaufplatz Untersbergstadion im Winter 2015.


Barics Frost-Coup

Mit eisigen Tatsachen konfrontiert wurden schon die Austria-Salzburg-Helden von 1994. Zum großen Unmut von Heimo Pfeifenberger und Co. ging es vor dem Mega-Knüller gegen Eintracht Frankfurt nicht in warme Gefilde, sondern nach Belgien. Das Kalkül von Trainer Otto Baric: "Wenn wir spielen gegen Frankfurt im März, haben wir Platz wie diese", gab sich der alte Fuchs weitblickend. Doch zuvor gingen seine Spieler durch die Eishölle: Rekordkälte verwandelte die Spielfelder in pickelharte Eislaufplätze, zwischendurch musste deshalb sogar das Trainingsgelände gewechselt werden.


Blaues Auge, blauer Brief

Nicht immer stärken Wintertrainingslager das Teamgefüge und den Zusammenhalt. 2011 geriet Huub Stevens nach einem Testmatch von Red Bull Salzburg in der Kabine mit seinem Assistenten Eddie Achterberg gerüchteweise handgreiflich aneinander. Jungkicker wie Martin Hinteregger bekamen es mit der Angst zu tun. Tags darauf trat Huub demonstrativ gut gelaunt vor die neugierige Presse: "Hier kommt der Trainer mit dem blauen Auge!" Statt blauem Auge kam der blaue Brief - mit dreimonatiger Verzögerung und direkt auf dem Platz während eines Abschlusstrainings.

Handfeste Argumente: Huub Stevens 2011.  SN/gepa
Handfeste Argumente: Huub Stevens 2011.

Transfer-Faxen

Zwischen Prügelaffäre und Rauswurf gab es noch diese Faxen bei den Bullen: Der Wintertransfer von Torjäger Robert Vittek sollte auf den letzten Drücker finalisiert werden. Die Bestätigung musste mit dem damals noch gelegentlich verwendeten Telefax übermittelt werden. Bei Vitteks Klub Ankaragücü dürfte das Faxgerät schon etwas verstaubt gewesen sein. Das Dokument traf erst um 00.01 Uhr am 1. Februar ein - zu spät. Der Transfer kam nicht zustande.

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