Zehn seltsame Dinge, die bei Teamchef-Debüts passierten

Ein schmollender Goleador, ein bibbernder Schneckerl und ein Paul Scharner: Bei ersten Länderspielen neuer Teamchefs blieb selten ein Auge trocken.

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Hauptsache Sport Gerhard Öhlinger
Bester Debütant aller Zeiten: Otto Baric startete 1999 mit einem 7:0 gegen San Marino in sein Teamchef-Abenteuer.  SN/gepa
Bester Debütant aller Zeiten: Otto Baric startete 1999 mit einem 7:0 gegen San Marino in sein Teamchef-Abenteuer.

Österreich zuerst. Wichtigste Frage bei Helmut Senekowitschs Einstand 1976 gegen Schweden: Wozu brauchen wir Legionäre? "Bei zwei gleichwertigen Spielern bekommt der vom einheimischen Club den Vorzug", sagte der neue Teamchef. Innsbrucks Peter Koncilia musste just zum Zeitpunkt des Abschlusstrainings beim Strafausschuss eine Rote Karte aus der Meisterschaft erklären - und war beim 1:0-Sieg nicht dabei.

Wer A sagt... Abschlusstrainings werden ohnedies überschätzt. Karl Stotz überließ vor seinem ersten Länderspiel 1978 in Norwegen diese Aufgabe seinem Assistenten und betreute stattdessen 130 Kilometer entfernt das B-Nationalteam.

Im Schmollwinkel. Nach der WM 1982 übernahm Erich Hof. Überschattet wurde sein Debüt von der Abwesenheit Hans Krankls, der auf den ÖFB böse war. "Der Schneckerl hat mir eh schon über den Dr. Fani ausrichten lassen, dass ich wiederkommen soll", stellte der Goleador sein Comeback in Aussicht. Gegen Albanien reichte es auch ohne ihn zu einem 5:0.

Schneckerl im Schnee. Ein strenger Winter störte Herbert Prohaskas Teamchef-Premiere im März 1993 gegen Griechenland. Wegen abgesagter Spiele fehlte seinen Kickern die Praxis. Im Praterstadion musste der Rasen vom Schnee geräumt und das Training abgesagt werden. Ersatzweise ging Schneckerl mit der Mannschaft in die Prater-Hauptallee laufen.


Glückszahl 8. Otto Baric trat nach dem 0:9 von Valencia auf den Plan und ließ die Schmach mit einem 7:0 gegen San Marino praktisch vergessen. Andreas Herzog bewältigte das Trauma mit einem Trick: Statt mit der 10 wie noch gegen Spanien spielte er mit der Rückennummer 8.

Dickhäuter. Hans Krankl war 2002 nach einem gängigen Ritual von einer fünfköpfigen "Task Force" unter Regie des ÖFB-Präsidenten zum Teamchef erkoren worden, trat seinen Dienst mit den Worten: "Ich bin ein Dickhäuter und zeige Nervenstärke" an. Sprach's und schickte beim 2:0-Sieg gegen die Slowakei Thomas Hickersberger für seine einzigen sieben Länderspielminuten auf den Platz.

Schlimmer geht's immer. Vier Jahre später war wieder Hickersberger senior dran. Sein Einstand geriet zum zweiten Landskrona, nach dem 0:2 gegen Kanada gab Paul Scharner zu Protokoll: "Jetzt sind wir ganz unten, und jetzt geben wir Gas." Wenig später trat Scharner zurück, weil ihn das Team "in seiner Entwicklung behindert".


Torschütze Rambo. Unter Karel Brückner war Scharner 2008 wieder motiviert und dabei. Beim 2:2 gegen Italien war vieles andere auch eigenartig: Gespielt wurde in Nizza, im Tor standen am Beginn zwei Juventus-Keeper (Buffon und Manninger), und am Ende faustete sich der eingewechselte Rambo Özcan den Ball zum 2:2-Endstand ins eigene Tor.

Luftlöcher. Nächster Teamchef, nächstes Torhüter-Blackout: Michael Gspurning schlug bei Constantinis Amtsantritt 2009 gegen die Slowakei ein Luftloch und ermöglichte so das 0:1. Am Ende stand aber ein 2:1-Sieg, und man war sich sicher: Von den Herren Hoffer, Pehlivan und Beichler würde man noch einiges hören.

Schnee im Getriebe.
Mit Marcel Koller kamen neue, erstmals auf die Maße der Spieler zugeschnittene Trikots. Zum Anpfiff der Partie in Lviv (Ukraine) rieselte leise der Schnee und nach dem 1:2 verzögerte sich der Rückflug nach Wien um zwölf Stunden - wegen zu viel Schnee in Schwechat.

Aufgerufen am 19.12.2018 um 06:43 auf https://www.sn.at/kolumne/hauptsache-sport/zehn-seltsame-dinge-die-bei-teamchef-debuets-passierten-20373121

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