Bürgersinn von Flüchtlingen fasste den Terroristen

Im Kampf gegen den Terror braucht es die Zusammenarbeit von Bürgern und Polizei. Wie zum Beispiel in Leipzig.

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HEVI | Politik und Gesellschat Viktor Hermann

Die deutsche Polizei hatte nicht gerade ein gutes Wochenende, als ihr in Chemnitz ein Terrorverdächtiger entwischte, in dessen Wohnung man hochgefährlichen Sprengstoff fand. Das ganze Wochenende über lief die Fahndung nach dem Mann, bis der Verdächtige dann den Behörden sozusagen auf dem Tablett serviert wurde, gefesselt und zum Abholen bereit - und zwar von syrischen Flüchtlingen.

Das muss ein ziemlich herber Schlag sein für jene Drahtzieher der Terrorbande "Islamischer Staat", die glauben, sie könnten sich auf die Solidarität der Muslime verlassen, die in Europa leben, sozusagen als fünfte Kolonne. Denn jene Syrer, die den Terrorverdächtigen der Polizei auslieferten, haben das getan, was jeder anständige Bürger tun sollte: angesichts eines schweren Verdachts die Polizei zu rufen und den Behörden damit dabei zu helfen, schwere Straftaten zu verhindern. Die Syrer, die Jaber A. der Polizei ausgeliefert haben, verdienen besonderes Lob, vielleicht sind sie ein Ansporn für andere, es ihnen nachzutun.

Der Vorfall muss aber auch ein herber Schlag sein für all jene, die in jedem Muslim einen Terroristen und in jedem Ausländer, der zu uns kommt, einen Kriminellen und potenziellen Vergewaltiger sehen. Diese nach Eigendefinition "aufrechten Bürger" haben sich bisher nur zu oft dadurch ausgezeichnet, dass sie rechtsradikalen Schlägern und Brandstiftern, die Asylbewerberheime attackierten oder Ausländer wegen ihrer Hautfarbe beschimpften und verprügelten, nicht nur nicht gestoppt, sondern ihnen auch noch applaudiert haben. Wir erinnern uns mit Grauen an Menschenmengen, die in Deutschland den Brand in einem Asylbewerberheim mit Applaus und Gejohle begleiteten. Man möchte sich wünschen, dass so mancher von Vorurteilen geplagte "brave Bürger" mehr auf den Menschen schaut als auf dessen Herkunft und Hautfarbe.

Bürgersinn hat nicht viel mit der Herkunft, der Religion und der Hautfarbe zu tun. Bürgersinn kann und muss man lernen - und das gilt für Einheimische ebenso wie für Zuwanderer. Das heißt aber auch, dass wir den Menschen die Chance geben müssen zu lernen, Anschluss zu finden und sich zu integrieren.

Das gilt für jeden Einwanderer und in ganz besonderem Maße auch für jene Pegida-Schreier, die am Tag der deutschen Einheit in Dresden mit ihren dummen Sprüchen und mit ihrem hasserfüllten Gebrüll, mit dem Ruf nach einem Diktator ("Putin nach Berlin") und mit den Affenlauten angesichts eines Schwarzen demonstriert haben, wie wenig integriert sie sind in unserer zivilisierten, auf Menschenrechten basierenden Gesellschaft. Vielleicht sollte man diesen Leuten einmal einen verpflichtenden Kurs in Bürgersinn verpassen.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 01:02 auf https://www.sn.at/kolumne/hevi/buergersinn-von-fluechtlingen-fasste-den-terroristen-983509

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