Der Amtsantritt eines Schaumschlägers

Auch wenn Donald Trump noch so auftrumpft, das System der "Checks and Balances" wird ihm enge Grenzen setzen.

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HEVI Viktor Hermann

Am Freitag ist es also so weit. Der größte Schaumschläger, Dampfplauderer und Narziss wird den Amtseid ablegen, der ihn zum mächtigsten Mann der Welt und Herrn über 7000 Atomraketen macht. Donald Trump hat es bisher tunlichst vermieden, auch nur einen einzigen Hinweis darauf zu geben, wie er sein Amt tatsächlich anlegen will. Bisher regiert eher sein Tweet-Finger als sein Hirn. Bisher hat er sich nur durch die Kunst hervorgetan, sich selbst zu widersprechen - und das nicht nur in großem zeitlichen Abstand, sondern sozusagen binnen Tagen, Stunden und manchmal sogar binnen Minuten.

Man darf annehmen, dass dahinter ein raffiniertes Kalkül steckt. Donald Trump will sich nicht in die Karten schauen lassen, er will erst dann so richtig zeigen, was in ihm steckt, wenn er tatsächlich das Büro im Weißen Haus in Besitz genommen hat. Die Auswahl seiner Minister deutet in manchen Fällen darauf hin, dass er um seine persönlichen Defizite weiß. Da scheinen durchaus etliche wirklich kluge Leute dabei zu sein, die das Schlimmste verhindern könnten, wenn Trump sie lässt - oder wenn sie das erratische, irrlichternde Temperament des nächsten US-Präsidenten tatsächlich lang genug ertragen, um sich in ihren Funktionen einzuarbeiten.

Für einen Politiker, dem zur tatsächlichen Mehrheit an Stimmen des Wahlvolks knapp drei Millionen gefehlt haben, tritt Trump auf, als wäre er mit hundert Prozent Zustimmung gewählt worden. Er mag jetzt die Vertreter klassischer Medien beschimpfen und ignorieren, er mag sich freuen über die Produzenten von Fake News, er mag beleidigt sein, weil manche Abgeordneten nicht zu seiner In auguration kommen wollen.

So richtig haarig wird es werden, wenn er den wirklichen Beschränkungen seines Amts gegenüberstehen wird. Denn die Verfassungsväter haben das politische System Amerikas so gestaltet, dass der Präsident selbst dann nicht tun und lassen kann, was er will, wenn er einem "freundlichen" Kongress gegenübersteht. Die Lektüre der Memoiren früherer Präsidenten zeigt auf beeindruckende Weise, wie eng die Spielräume des Präsidenten sind, wie gut die "Checks and Balances" im politischen System Amerikas arbeiten.

Deshalb darf man trotz aller Besorgnis zunächst einmal ruhig bleiben. Auch wenn ab Freitag ein Typ im Weißen Haus sitzt, dessen Frustrationstoleranz schwächer ausgeprägt ist als die eines pubertierenden 14-Jährigen, es dürfte immer noch genügend Erwachsene geben, die dem Mann seine Grenzen aufzeigen.

Und wer weiß, was passiert, wenn Trumps Wähler merken, welches Windei sie da zum Präsidenten gemacht haben.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 10:00 auf https://www.sn.at/kolumne/hevi/der-amtsantritt-eines-schaumschlaegers-519799

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