Endlich erkennt die Wissenschaft die Bedeutung des Menschen

Ein Geologenkongress hat erkannt, dass wir seit einigen Jahrzehnten im Anthropozän leben. Aber das geht auch vorbei.

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HEVI Viktor Hermann

Wer sich mit der Geschichte unseres Planeten Erde befasst, der muss gar viele seltsame Wörter kennen. Je nachdem, was gerade in einem bestimmten Alter der Erde besonders hervorstechend war, haben Wissenschafter diese Phase mit Namen bedacht. Es würde jetzt zu weit führen, alle diese Erdzeitalter zu nennen, Nur so viel: Im frühen Pleistozän tauchte der Homo habilis auf, im späten Pleistozän übernahm dann der Homo sapiens den Laden und mühte sich redlich, sich den Planeten zu unterwerfen.

Mit der Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht spricht die Wissenschaft dann vom Holozän, also so rund die letzten 12.000 Jahre. Wollte man die Geschichte der Erde als einen Tag darstellen, wäre die Zeit des Holozäns ungefähr die bisher letzten 0,2 Sekunden. Die meisten Erdzeitalter haben freilich mit uns Menschen - ob Habilis oder Sapiens - nichts zu tun, weil da ganz andere Gewalten freigesetzt waren, die es allerdings nicht geschafft haben, der Erde wirklich Probleme zu bereiten. Sie hat sich halt verändert in Geologie, im Pflanzenbewuchs und im Tiergarten, der sich da breitgemacht hat.

Jetzt allerdings hat sich ein Kongress von Geologen dafür ausgesprochen, von einem völlig neuen Zeitalter zu sprechen. Erstmals wird also der Name der Epoche, in der sich die Erde gerade befindet, nicht nach Zigtausend Jahren benannt, sondern sozusagen live, mitten im Geschehen. Dazu fühlt sich der Mensch der Gattung Wissenschafter befugt, weil wir Menschen ja seit einiger Zeit nicht nur in der Lage sind, uns einigermaßen der Naturgewalten zu erwehren (mit einigen Ausnahmen, wie diverse Erdbeben und Tsunamis zeigen), sondern selbst als Naturgewalt auftreten.

Denken wir an das Ozonloch, den sauren Regen und die Klimaerwärmung. Man hat erkannt, dass diese Phänomene existieren, dann haben sich Legionen von Leuten bemüht, sie zu leugnen. Ozonloch und saurer Regen haben dank kluger Maßnahmen ihren Schrecken verloren, beim Klima sind wir noch nicht so weit.

Der Mensch, so sagten sich kürzlich die Wissenschafter auf einem Kongress, hat so massiv in das Geschehen auf der Erde eingegriffen, dass wir nicht mehr vom Holozän sprechen können, sondern vom Anthropozän - dem Menschenzeitalter. Tatsächlich sind wir Menschen dabei, der Welt einen Stempel aufzudrücken, von dem noch niemand weiß, ob er nicht das Letzte ist, was die Menschheit zustande bringt. So wie wir mit der Erde umgehen, sollten wir an jene Geschichte denken, in der zwei Planeten einander begegnen. Der eine klagt, es gehe ihm furchtbar schlecht, denn er leide an Homo sapiens. Worauf der andere Planet sagt: "Mach dir nichts draus, das geht vorbei."

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