Fake News, Umfragen und Amerikas Basisdemokratie

Donald Trumps Anhänger halten ihrem Präsidenten die Stange, die Klientel der Republikaner ist da schon etwas skeptischer.

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HEVI Viktor Hermann

Der US-Präsident hat's nicht leicht. Rundum treten ihm die Medien auf die Zehen, weshalb er sie schon zum "Feind des amerikanischen Volkes" erklärt hat. Die Umfragen sind nicht wirklich abgrundtief schlecht, aber für einen, der behauptet, er und nur er sei die wahre Stimme Amerikas, sind Zustimmungsraten unter 50 Prozent unerfreulich. Es gibt auch Peinliches: Vor seinem Amtsantritt verkündete Trump, er werde leider ewig lange nicht zum Golfspielen kommen, weil er 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche für das Wohl des Volkes arbeiten werde. Und dann berichten diese verflixten TV-Stationen und Zeitungen, dass der Präsident in den ersten vier Wochen seiner Amtszeit sechs Mal beim Golfspielen ertappt wurde.

Es ist auch nicht besonders angenehm, wenn einem ausgerechnet ein Ex-Präsident aus dem eigenen politischen Lager in den Rücken fällt. George W. Bush, ein Mann, der den Kongress, die Amerikaner und die ganze Welt belogen hat, um den Irak-Krieg zu rechtfertigen, belehrte dieser Tage Trump über die Bedeutung der freien und kritischen Presse. Diese habe die Aufgabe, "Leute wie mich zur Rechenschaft zu ziehen", sagte Bush.

Und schließlich tut sich derzeit etwas in den USA, was es nur in dieser alten Demokratie gibt und sonst nirgendwo. Da die Abgeordneten des Repräsentantenhauses fest in ihren Wahlkreisen verankert sind, müssen sie sich auch ständig vor ihren Bürgern für ihre Politik rechtfertigen. Damit das nicht allzu schmerzlich wird, halten sie sogenannte Town-Hall-Meetings ab, in denen Abgeordnete schon vor Beschlussfassung neuer Gesetze die Stimmung im Volk erkunden. Das erspart einerseits den Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl, man regiere über ihre Köpfe hinweg. Andererseits haben so die Politiker das Ohr am Volk und können rechtzeitig gegensteuern, wenn ihnen ihre Wählerschaft zu entgleiten droht. Da Trump und die Republikaner angekündigt hatten, sie würden die "Obamacare" genannte Krankenversicherung für alle abschaffen, stellen republikanische Politiker derzeit ihre Pläne der Gesundheitsreform in Town-Hall-Meetings vor, um die Reaktion des Publikums zu testen. Und wie die Leute reagieren! Selbst ur-republikanische Wählerschichten pfeifen die Politiker aus, sobald diese ankündigen, sie wollten "Obamacare" stoppen. Denn diese Menschen haben mittlerweile die Vorteile dieser Krankenversicherung am eigenen Leib erfahren. Abgeordnete werden niedergeschrien, manche stehen hilflos und bass erstaunt vor ihren Wählern und verstehen die Welt nicht.

Die Republikaner erleben derzeit hautnah, dass sich niemand auf einem Wahlsieg ausruhen darf, wenigstens nicht in Amerika.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 03:02 auf https://www.sn.at/kolumne/hevi/fake-news-umfragen-und-amerikas-basisdemokratie-331114

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