Fantasie und Wachtraum des blauen Oberrecken

HC Strache vermittelt zwischen den Großen, Nigel Farage ist Botschafter in den USA und das Christkind bringt die Geschenke.

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HEVI Viktor Hermann

Es gibt einen Facebook-Eintrag von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, in dem er das unaufhaltsame Vordringen des Weihnachtsmannes in unsere europäischen Länder scharf verurteilt mit den Worten: "In Österreich kommt das Christkind und nicht der Weihnachtsmann." Man konnte das durchaus für ein Fake halten, eine Fabrikation, die den Mann, der sich selbst den "Kanzler der Herzen" nennt, lächerlich machen soll. Welcher 47-Jährige glaubt schon an das Christkind? Oder man konnte das für den tapferen Versuch eines aufrechten Österreichers halten, sich dem Kulturimperialismus der Amerikaner entgegenzustellen.

Doch jetzt wissen wir es besser. HC Strache ist tatsächlich ein Gläubiger. Er glaubt vermutlich wirklich, was er anlässlich seiner Pilgerreise zum Propheten aller Nationalisten und aller Autoritären verkündete: Er, Strache, glaubt fest daran, dass er ein "neutraler Vermittler zwischen den USA und Russland" sei. Hätte das irgendjemand anders gesagt, man wäre versucht gewesen, ihn nach seinem Dealer zu fragen und danach, welches Zeug er denn da geschluckt oder geraucht habe. Da wir hier aber vom Weltmeister der Selbstüberhöhung sprechen, muss wohl eine tiefe Überzeugung in Straches Kopf sitzen, dass er tatsächlich auf einer Ebene mit den ganz Großen dieser Welt agiere.

Die Tatsache, dass ein paar FPÖ-Politiker in Moskau vom stellvertretenden Generalsekretär einer Partei, die nur eine Existenzberechtigung hat - als Jasager-Verein für Präsident Wladimir Putin - begrüßt wurden, zeigt die enorme Bedeutung, die Strache und Co. in Moskau zukommt. Aber wer weiß, vielleicht gelingt ja den blauen Recken auch noch ein ähnlicher Coup in Washington und sie treffen mit der Putzfrau des Sekretärs von Donald Trumps Schwiegersohn zusammen, um dort ihrer "Vermittler rolle" gerecht zu werden.

Man möchte ja nur ungern darüber nachdenken, was die FPÖ-Mannen wirklich aus Moskau mitgebracht haben. Man hört ja so einiges über die Finanzhilfe, die Straches Busenfreundin Marine Le Pen aus Putins Schatulle erhält. Womöglich hoffen die Blauen auf ähnliche Freundlichkeiten, wenn sie dem Herrscher im Kreml nur ordentlich das Goderl kratzen.

Aber keine Sorge, Strache ist nicht der Einzige, dem ein Erfolg zu Kopf gestiegen ist. Nigel Farage, der die Briten mit einem Strauß Lügen zum Brexit gedrängt hat, erklärte sich nach Trumps Wahlsieg schon taxfrei zum britischen Botschafter in Washington. Sein Vergnügen währte aber nicht lang. Denn die britische Premierministerin, die immer noch bestimmt, wer das Königreich in den USA vertritt, hat ihm ganz kühl erklärt: "Danke für das Angebot, aber: nein danke!"

Aufgerufen am 25.09.2018 um 09:14 auf https://www.sn.at/kolumne/hevi/fantasie-und-wachtraum-des-blauen-oberrecken-591127

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