Moskau führt einen Cyberkrieg gegen die Demokratien

Hacker in Diensten des Kremls versuchen Einfluss auf Wahlen zu nehmen und demokratische Institutionen zu sabotieren.

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HEVI | Politik und Gesellschat Viktor Hermann

Der jüngste Film des amerikanischen Produzenten Oliver Stone mit dem Titel "Snowden" peitscht die Wogen der Empörung über die maßlose Schnüffelei der US-Geheimdienste, vor allem der NSA, hoch. Die Geschichte ist ja weitgehend bekannt, der Unmut über die amerikanischen Schlapphüte, deren Methoden der ehemalige NSA-Angestellte Edward Snowden offenlegte, ist gleichbleibend hoch. Das ist gut so. Freie Gesellschaften müssen sich gegen staatliche Bespitzelung wehren.

Was ein wenig untergeht im Rauschen des Blätterwaldes, ist die Tatsache, dass der asymmetrische Krieg im Cyberspace auch von ganz anderer Seite mit beklemmender Rücksichtslosigkeit geführt wird. Erst dieser Tage wurde bekannt, dass eine Gruppe von Hackern kurz vor den Unterhauswahlen in Großbritannien im Jahr 2015 drauf und dran war, mehrere Ministerien in London, darunter das Innen- und das Verteidigungsministerium, sowie britische Fernsehstationen lahmzulegen. Die Hacker nennen sich "Fancy Bears" und sind bisher dadurch aufgefallen, dass sie auf einer Website, geschmückt mit knuddeligen Teddybären, einen Gegenangriff gegen all jene reitet, die behaupten, russische Sportler hätten gedopt. Die Spur führt direkt nach Moskau.

Vor einigen Wochen unternahmen ebenfalls russische Hacker den Versuch, Einfluss auf die amerikanische Präsidentschaftswahl zu nehmen, indem sie E-Mail-Accounts der Demokraten hackten und deren Inhalte publizierten. Donald Trump hat die Geheimdienste seines "Freundes" Wladimir Putin öffentlich ziemlich direkt aufgefordert, noch mehr über die Demokraten und Hillary Clinton ins Netz zu stellen. Ganz offensichtlich wurde sein Wunsch erfüllt, als wiederum russische Hacker in Server des Weißen Hauses eindrangen und dort Michelle Obamas Pass kopierten.

Britische Geheimdienste fanden jetzt heraus, dass auch hinter einer Gruppe namens "Cyber Kalifat" nicht die islamistische Terrorbande IS steckt. Diese Gruppe hatte im April den französischen TV-Sender TV5-Monde 18 Stunden lang blockiert und auf den Bildschirmen nur die schwarze Terrorflagge erscheinen lassen. Die Spuren führen direkt nach Moskau.

Der Kreml demonstriert eindeutig, dass er auf vielen verschiedenen Ebenen demokratische Einrichtungen im Westen stören und demokratische Prozesse behindern will. Das tut er einerseits, indem er Cyberkriminelle einsetzt. Und andererseits, indem er rechtspopulistische Politiker und Parteien finanziell unterstützt. Im Falle der französischen Front National ist das schon nachweisbar. Man darf aber vermuten, dass es außer Marine Le Pen auch noch andere Rechtspopulisten gibt, die am finanziellen Tropf Wladimir Putins hängen.

Aufgerufen am 12.12.2018 um 05:27 auf https://www.sn.at/kolumne/hevi/moskau-fuehrt-einen-cyberkrieg-gegen-die-demokratien-1025284

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