Biberbau staubt einen Architekturpreis ab!

Es wird gebaut. Mit vollem Elan. Meist aber Grau in Grau. Na, ja: Grün gilt ja spätestens seit Sonntag als unmodern im Land.

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Lokalpatriot Heinz Bayer

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Und angepackt. In Salzburg stehen schon bald mehr Baukräne als Maibäume in der Landschaft. Mitten hinein platzt jetzt diese (nicht ernst gemeinte) Nachricht. Verbreitet von der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA.

Sie lautet: "Biberbau gewinnt Architekturpreis." Oha! Weiter im Text heißt es: Man wolle ein Zeichen gegen die inflationäre Verwendung des Begriffs der Nachhaltigkeit setzen. Deshalb habe sich "die internationale Jury" für den Biberbau entschieden. Heutzutage werde viel graue Energie aufgewendet, um Gebäude zu errichten. Die würden dann als besonders energieeffizient vermarktet.

Aber, kleiner Unterschied: Regionale Wertschöpfung stehe schon bei der Konstruktion eines Biberbaus an allererster Stelle. So kämen ausschließlich Schwemmholz, Lehm und Steine aus unmittelbarer Umgebung zum Einsatz. Haha!

"Die Schichtbauweise bewirkt eine Stabilität, die es fast mit Stahlbeton aufnehmen kann. Sie weist trotzdem die Flexibilität von Holz auf. Zudem nutzen innenliegende Wände aus Lehm dessen natürliche Isolationsfähigkeit und Atmungsaktivität."

Jetzt kommt's: "CIPRA International hat Interesse am Biberbau bekundet. Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und unsere Büros in Einklang mit sozialen, kulturellen und ökologischen Aspekten bringen", sagt CIPRA-Geschäftsführer Andreas Pichler. Der Biberbau sei dafür perfekt. Die größten Herausforderungen wären "die bisher noch fehlende Internetverbindung und der allgegenwärtige Fischgeruch", heißt es in der Nachricht, die (Achtung!) mit 1. April datiert ist. Fast zeitgleich gab die Salzburger Initiative Architektur bekannt, dass im September das frühere Stallgebäude der Riedenburg-Kaserne aus dem Jahr 1890 rundumerneuert seiner künftigen Bestimmung zukomme: als Salzburger Architekturhaus. Akkurat. Der Standort liegt dort, wo ein neuer Stadtteil entstand - der nicht allen gefällt. "Kaum eine Stadt ist derart von historischer Architektur geprägt wie Salzburg", sagte Gudrun Fleischmann-Oswald, Vorsitzende der Initiative Architektur, den SN. Und: "Die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Architektur benötigt einen zentralen Ort. Das war ein Grund, warum wir 1993 die Initiative gegründet haben", ergänzte der künstlerische Leiter Roman Höllbacher.

Vielleicht kommt am Ende ja eine breite Diskussion über den Wert guter Architektur heraus. Und über den Baustoff Holz. Wäre auch höchst an der Zeit



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