Esst im Sitzen. Schützt die Lewakassemmi!

Sie sind unter uns. Überall. Sogar oben auf dem Berg kamen diese Wörter an. Etwa auf der Planai. Da wurde aus dem stillen Örtchen eine Sky Toilet.

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Lokalpatriot Heinz Bayer

Ich sollte jetzt eigentlich aufhören. Weil ein bisserl fühle ich mich schon verfolgt. Das Leben bei uns richtet sich ja immer öfter auf Englisch aus. Neulich stand da: "Coffee to go - jetzt auch zum Mitnehmen!" - aha!

Aufhören heißt in diesem Fall: einfach nicht mehr hinschauen. Praktisch den visuellen Brexit durchziehen. Nur halt anders und auf die Sprache bezogen. Aber es funktioniert nicht. Kaum schreib ich was, bekomme ich ganz viel Post. Offenbar sind auch viele andere Menschen verwundert über das Phänomen der Verhunzung unserer Sprache (spoilage auf Englisch). Sie kennen das ja: Wenn jemand im Freundeskreis ein Baby erwartet, sieht man plötzlich überall Schwangere. Wenn der Fuß schmerzt, fallen einem selbst die vielen Humpelnden auf, die sich durch die Welt quälen. Und jetzt - überall dieses Englisch. Auf der Planai etwa, ganz oben, da steht zum Beispiel ein Container. Und auf dem wiederum steht in grüner Farbe auf gelbem Grund: "Sky Toilet". Heiliger Petrus, lass bitte einen Blitz herunterfahren. Aber - wenn dann am End' dort jemand sitzt - also auf den Blitz verzichten wir lieber.

Frau F. aus Z. schrieb mir neulich, vor ihrem Geschäft klebe ein riesiges Plakat. Das schreie geradezu ein Wort
hinaus. Nämlich "Street Food Festival". Reflexartig stellt sich die Frage: Ist die Lewakassemmi in ihrer Art bedroht? Gehört sie auf die Liste gefährdeter Esswaren? Wird aus der Leberkässemmel schon ganz bald die Meatloaf Roll? Immerhin essen wir die Lewakassemmi ja liebend gerne, wenn wir auf der Straße gehen. Machen uns praktisch mampfend zu Mittätern - und unsere liebste Jause über kurz oder lang zu Street Food.

Aufgerufen am 30.11.2021 um 11:30 auf https://www.sn.at/kolumne/lokalpatriot/esst-im-sitzen-schuetzt-die-lewakassemmi-37110127

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