Der Nandl, der Kini und der Trampel

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Purgertorium Alexander Purger

Was hat er heute wieder angestellt? Seit dem Amtsantritt des Trampels von Amerika ist der morgendliche Griff zum Radioknopf das reinste Vergnügen. Den Blutdruck hebende Aufregung ist garantiert. Denn erfüllt er seine Wahlversprechen, ist das der größte Skandal der Jetztzeit. Erfüllt er sie nicht, ist es das auch. Und der allergrößte Skandal von allen: Die Amis sind auch noch mehrheitlich zufrieden mit ihm!

Die Rettung der Welt liegt also wieder einmal in den Händen von uns Euro päern. Das sind wir ja gewohnt. Und
wir wissen auch, was zu tun ist. Immer mehr Psychologen und Psychiater erklären aus sicherer Entfernung (der Trampel beißt ja sicher), dass der Mann schlicht und einfach verrückt ist. Psychopath oder krankhafter Narziss sind noch die höflicheren Diagnosen.

Was die Psychiatrie eigentlich der Präsident der Vereinigten Staaten angeht? Nun, manche Historiker behaupten, das Fach wurde überhaupt nur erfunden, um missliebige Potentaten loszuwerden. Früher war das schließlich nicht so einfach. Der Monarch war der Monarch, und das auf Lebenszeit. Man brauchte schon einen guten Grund, um ihn absetzen und wegsperren zu können. Und diesen Grund wie auch die zugehörigen Anstalten lieferte die Psychiatrie.

Man denke nur an den Kini. Der bayerische König Ludwig II. wurde seinerzeit abgesetzt, weil er sich Untaten von geradezu Trampel-artigen Ausmaßen zuschulden hatte kommen lassen. Nämlich war er erstens der Mäzen eines gewissen Richard Wagner, der mit dem Geld des Kini entsetzlich lange Opern schrieb. Und zweitens baute er alle paar Kilometer ein Traumschloss hin - von deren Tourismuserlösen lebt heute halb Bayern. Deshalb wurde Ludwig II. für verrückt erklärt und abgesetzt. Fortan kümmerten sich Psychiater um ihn. Der Rest ist bekannt. Blubb.

Auch der österreichische Kaiser Ferdinand der Gütige wurde seinerzeit abgesetzt, weil in seinem Oberstübchen angeblich nicht gerade die grellste Beleuchtung herrschte. Im Volksmund wurde er deshalb Gü ti nand der Fertige genannt. Weniger Freundliche nannten ihn schlicht: Nandl der Trottel.

Man könnte seine gelinde gesagt uninspirierte Regentschaft aber auch mit dem Leitfaden in Verbindung bringen, den er bei seiner Thronbesteigung im Jahre 1835 mit auf den Weg bekam: "Verrücke nichts an den Grundlagen des Staatsgebäudes; regiere und verändere nichts", hatte ihm sein Vater Franz I. dringend aufgetragen.

Das klang damals sträflich konservativ, mittlerweile sieht man es vermutlich anders. In Österreich soll es Bundeskanzler gegeben haben, die dieses Motto geradezu sklavisch befolgten und trotzdem wiedergewählt wurden. Auch beim angeblich verrückten Trampel wäre man derzeit heilfroh, würde er sich an den "Nichts verrücken"-Auftrag des guten Kaiser Franz halten.

Ferdinand jedenfalls ging 1848 mit einem erleichterten "Gern-geschehen" in die Kaiser-Rente und widmete sich fortan der Verwaltung seiner Güter in Böhmen. Was er derart geschickt tat, dass er seinen Erben ein großes Vermögen hinterlassen konnte. So ein Trottel kann er also nicht gewesen sein.

Eventuell hat bei Ferdinand aber das "Peter-Prinzip" zugeschlagen. Dieses nach einem kanadischen Psychologen benannte Prinzip besagt, dass jeder so lang die Karriereleiter hinaufsteigt, bis er einen Posten erlangt, für den er absolut unfähig ist. Das soll ja öfters vorkommen. Bei manchen geht es sogar noch weiter nach oben, ohne dass dezidiert Geisteskrankheit vorläge. Außer vielleicht bei denen, die sie ernennen.

Apropos: "Was einen Gesunden von einem Geisteskranken unterscheidet, ist der Umstand, dass der Gesunde alle Geisteskrankheiten hat und der Geisteskranke nur eine." (Robert Musil)

Aufgerufen am 19.11.2018 um 02:40 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/der-nandl-der-kini-und-der-trampel-360616

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