Raucht Chesterfield! Und: Die Wahrheit über das Pressefoyer

Was die "Salzburger Nachrichten" mit Christian Kerns erstem Fehler zu tun haben.

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Purgertorium Alexander Purger

Mit dem Abstand von einigen Tagen darf man es ja zugeben: An der Abschaffung des Pressefoyers nach dem Ministerrat sind eigentlich die "Salzburger Nachrichten" schuld.

Die Geschichte ging so: Bei einem der allerersten Pressefoyers von Christian Kern fragte ihn eine SN-Redakteurin, wie es um die angekündigte Asylnotverordnung stehe. Der funkelnagelneue Bundeskanzler war auf die Frage nicht vorbereitet und gab eine eher missverständliche Antwort. Aus ihr konnte man, wenn man wollte, herauslesen, dass Kern an einem Herunterrechnen der Asylzahlen interessiert sei. Was sofort zum ersten Koalitionskrach der noch kurzen Ära Kern führte und ihm sogar einen Rüffel des eigenen Innen-, Pardon, Verteidigungsministers eintrug.

Kern, der in seiner Karriere stets stolz darauf gewesen war, nie Fehler zu begehen, hatte bei diesem Pressefoyer seinen ersten Fehler begangen. Und damit das nie wieder geschieht, hat er ihn jetzt abgeschafft, den Termin mit den unerwarteten Journalistenfragen. Was man vom Standpunkt des Führungskomforts her ja auch durchaus verstehen kann.

Schuld sind also wie gesagt die "Salzburger Nachrichten". Für die betreffende Redakteurin hatte das aber keine Konsequenzen. Schließlich leben wir in keiner Tyrannis.

Dort allerdings hätte es für die Kollegin eng werden können, und das ganz buchstäblich. Denn der sizilianische Tyrann Phalaris von Akragas ließ seinerzeit die hohle Bronzeplastik eines Stieres anfertigen, in die er jeden, der bei ihm in Ungnade gefallen war, einsperren und dann über Feuer garen ließ. Das kann kein schöner Tod gewesen sein. Als Erster musste übrigens der Schmied daran glauben, der den Folterapparat hergestellt hatte. Tyrannen sind eben undankbar.

Heute wäre so etwas zumindest in unseren politischen Breiten völlig undenkbar. Womit auch die Frage beantwortet ist, was die grünen Wahlkampfleiter dem Spitzenarzt Christoph Zielinski angedroht haben, damit er Alexander Van der Bellen bescheinigt, er habe "eine wirklich herrliche Lunge". Sie haben ihm NICHT angedroht, ihn in der Bronzeplastik eines Stieres zu garen. Ganz bestimmt nicht.

Als Raucher las man Zielinskis Expertise übrigens mit Begeisterung. Denn Van der Bellen ist das, was man einen schweren Raucher nennt. Bei einem einstündigen Interview konsumierte er bis zu fünf Chesterfields. Dass so jemand mit 72 Jahren noch eine wirklich herrliche Lunge hat, ist fast so eine gute Nachricht wie die vom eigenen Urgroßvater, der trotz des täglichen Konsums von drei Packerln A3 fast 90 wurde. Man darf die schiachen Schockbilder auf den Zigarettenpackungen ab sofort mit Van-der-Bellen-Fotos überkleben.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 03:36 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/raucht-chesterfield-und-die-wahrheit-ueber-das-pressefoyer-1093240

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