Ab in die Küche

Von Meinungsforschern, Kampfrhetorikern und dringend gesuchten Beiköchen.

Querschläger SN

Eines war schon sehr interessant an der Liveberichterstattung zur amerikanischen Präsidentenwahl: Da ging man um Mitternacht ins Bett und hatte noch die glasklare Expertise von Meinungsforschern im Ohr, warum Hillary Clinton diese Wahl gewinnen werde, und dann wachte man morgens auf, um von haargenau denselben Experten ohne geringstes Wimpernzucken erklärt zu bekommen, wieso selbstverständlich nur Donald Trump diese Wahl gewinnen konnte, und was die logischen Gründe dafür waren. Auch bei uns werden in den nächsten zwei Wochen wieder Heerscharen von Wahlexperten zur Höchstform auflaufen, um vor der Präsidentenwahl Prognosen abzugeben, deren Gegenteil sie nachher gegebenenfalls detailreich begründen werden. Bei den Römern beobachteten die Auguren den Flug und das Geschrei der Vögel, um den Ausgang von bestimmten Vorhaben zu erkunden. Dies wäre wahrscheinlich genauso treffsicher, aber ungleich billiger. Ich habe es mir im Laufe unserer Endlos-Präsidentenwahl auch abgewöhnt, mir sogenannte Fernsehduelle anzuschauen. Was soll es mir bringen, wenn ein in Kampf- und Crash-Rhetorik ausgebildeter Kandidat, also quasi ein Manipulations experte, versucht, jedes fakten orientierte Gespräch professionell zu zerstören und den Gegner - ihn persönlich, nicht seine Politik - auf einer diffusen und unterschwelligen Ebene anzupatzen? Die Fakten kann ich in verschiedenen Medien überprüfen und vergleichen, ohne eine nervend-schmierige Psycho-Show ertragen zu müssen. Und wohin nun mit den unzähligen Hau-Ruck-Experten, die sich an unserer Infotainment-Gesellschaft festgesaugt haben? Sollen wir sie umschulen? Ich habe gehört, allein im Pongau wären gerade 300 Stellen als Beiköche frei . . .

Aufgerufen am 14.11.2018 um 11:23 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/ab-in-die-kueche-859195

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