Delikt Heimathinterfragung

Wer den Heimatbegriff hinterfragt, wird geschimpft - und       in seiner Meinung bestärkt.

Querschläger SN

Hui, in der letzten Woche habe ich auf verschiedenen Wegen ganz viel Post bekommen. Ich habe nämlich behauptet, dass der Begriff Heimat viel eher ein Gefühl als einen realen Ort beschreibt, und dafür sind mir ganz ordentlich die heimatlichen Leviten gelesen worden. Aufgeregte Menschen maßregelten mich oder teilten mir mit, dass sie sehr wohl eine Heimat hätten, nach der sie sich bei Auslandsaufenthalten sehnten, oder dass ich einmal am Morgen von einem Berg über das Land schauen solle, denn dann sähe ich meine Heimat in aller Pracht.

Damit bestätigten sie mich in meiner Meinung, dass der Begriff Heimat nicht die ganze Realität, sondern nur die Sehnsucht nach oder den Blick auf einen bestimmten Teil der wirklichen Umgebung umfasst. Denn der Auslandssalzburger wird sich wahrscheinlich nicht nach dem Stau in der Stadt und nach den verschandelten Talschaften und den leeren Ortskernen sehnen, und der morgendliche Gipfelstürmer sich wohl nicht an den Baggern, die den Beschneiungsteich am Gipfel gegenüber ausheben, oder an der 380-kV-Leitung in der Morgensonne ergötzen - denn das gehört nicht zum Idealbild Heimat, sondern zur Wirklichkeit.

Genau deshalb ist das "Hoamatg'fühl" in den Traumwelten des Schlagers und der Werbung so wirkungsvoll. Und wer dieses Idealbild mit der ganzen Wirklichkeit konfrontiert, wird gleich als "Heimatbeschmutzer" abgestempelt und so mundtot gemacht. Und genau deshalb ist "die Heimat" in der Politik so gefährlich.

Ich bin der Letzte, der in Abrede stellt, dass wir in einem ganz wunderbaren Land leben dürfen, möchte aber dringend dazu auffordern, die wachsende Heimattümelei in Medien, Werbung und vor allem in der Politik kritisch zu hinterfragen.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 06:39 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/delikt-heimathinterfragung-879541

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