Brachialkabarett auf der Weltbühne

Querschläger SN

Während die meisten heimischen Kabarettisten in Zeiten wie diesen mit wohlfeilen Weihnachtsprogrammen über die Lande ziehen oder an Fernsehstammtischen Witze erzählen, um auch der stetig wachsenden Schar der Wutbürger ein flüchtiges Lächeln auf die verhärmten Lippen zu zaubern, boomt die internationale Szene des politischen Brachialkabaretts.

Im Mutterland von Pizza, Pinocchio und parlamentarischer Commedia dell'Arte feiert gerade die Neuauflage des Dauerbrenners "Vom Berlusconi bis zum Grillo - jedes Jahr ein neuer Dillo" rauschende Erfolge. Im Land der unbegrenzten Blödigkeiten haben ölige Strippenzieher unter dem Motto "Donald is the new Ronald" eine Marionette aus der Mottenkiste der 80-er geholt, mit einer neuen Perücke vom Typus "blondgefärbtes Eichkätzchen kurz nach dem Waldbrand" aufgemöbelt, lassen sie nun als Brutalo-Comedian über die Weltbühne hampeln - und lachen sich halb tot über den gelungenen Coup. In Brexitannien spielt Boris Johnson mit ähnlicher Haarpracht - man munkelt, er hätte sie von Oleg Popov geerbt - in bester Monty Python-Manier den mittelschwer verwirrten "Ritter der Kokosnuss" und die Türkei schickt mit "Toni Erdogmann" eine morgenländische Tragikomödie zu den Oscars. Und bei uns?

Der designierte HBP ist damit beschäftigt, seinen Tarnkappen-Trachtenjanker auf E-Bay zu verhökern und sein ehemaliger Konkurrent, der selbsternannte Norbert "Jasomirgott" der Erste, hadert mit seinem Schicksal: Macht braucht Kontrolle - aber keiner braucht ihn. Es heißt, er würde seit einer Woche erfolglos versuchen, sich in einer südburgenländischen Therme von vollverschleierten Pflegerinnen das vor Monaten steckengebliebene Dauerlächeln aus dem Antlitz massieren zu lassen.

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