Der Freundeskreis der Angstspirale

In sozialen Netzwerken werden Gefühle hochgeschaukelt.

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Querschläger Fritz Messner

Unlängst hat es mich in einen gar wüsten Winkel der sozialen Netzwerke verschlagen. Eigentlich wollte ich nur dem merkwürdigen Posting einer "Freundin" auf den Grund gehen, dadurch wurden immer mehr Beiträge von ihren "Freunden" und deren "Freundesfreunden" nach vorne gereiht, und bald war ich mitten drin in einem kleinen Gruselkabinett. Denn gepostet und geteilt wurden dort ausschließlich bedrohliche Inhalte - teils Fakten, teils ziemlich perfide Halbwahrheiten, teils haarsträubende Horrormärchen zu aktuellen Themen. Diese wurden aber nicht hinterfragt und geprüft, sondern nur aufgeregt kommentiert und weitergeschickt. Gegenmeinungen gab es nie, dafür sorgten der Freunderl-Algorithmus und die Geschlossenheit der Gruppe. Das ergab ein Gesamtbild unseres Landes, als lebten wir mitten in einem Krisengebiet, und so schaukelten sich zwei Gefühle hoch: Diffuse Angst und die Sehnsucht nach Stärke und Sicherheit um jeden Preis.

Je tiefer ich eintauchte, desto mulmiger wurde mir, denn mir schwante, dass da eine Saat aufgeht, die auch jenen, die sie aus politischem Kalkül gesät haben, gewaltig über den Kopf wachsen könnte. Denn so wie diese "Freunde" emotional aufmunitioniert sind, wird es ganz schwer werden, sie wieder abzurüsten. Gesetzt den Fall, dass ihre jetzt favorisierten Politiker die nächste Wahl gewinnen und danach offenbaren müssen, dass halt alles doch komplizierter ist, als sie es plakatiert hatten, wohin werden sich diese Menschen dann wenden? Demokratie ist nämlich in solchen "Freundeskreisen" nicht sehr hoch angeschrieben. Und sie einfach als Randgruppen-Dummerl abzutun, ist ebenfalls fahrlässig, denn sie stammen größtenteils aus der Mitte dieser Gesellschaft.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 07:41 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/der-freundeskreis-der-angstspirale-17135971

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