Ein Plädoyer für die Lungauer Blauen

Wie man mit Genuss etwas für die Artenvielfalt und lokale Produzenten tun kann.

Querschläger | Alltagsleben in Salzburg SN

"Ächtleng oder Eachtling?" - ein heiß diskutiertes Thema im Lungau. Zur Erklärung: "Ächtleng" ist der Lungauer Dialektausdruck für Kartoffel und "Eachtling" ist ein Fantasiewort, das von Marketingleuten erfunden wurde und sich durch jahrelange Medienpräsenz wohl unauslöschlich im Sprachgebrauch festgesetzt hat. Mir geht es hier aber nicht um die Bezeichnung, sondern um die Frucht an sich. Bis jetzt hat man beim Kauf der Knollen selten auf die Sorte geachtet, ein kurzer Blick auf das Etikett mit "festkochend" oder "vorwiegend festkochend" hat als Entscheidungshilfe genügt. In Geschmack und Aussehen unterscheiden sich die gängigen Sorten ohnehin nur minimal.

In den letzten Jahren haben aber einige Bauern begonnen, wieder alte Sorten und Spezialsorten anzubauen und damit die Vielfalt der Frucht (zurück) auf den Teller zu bringen. Da gibt es den guten alten, fast vergessenen "Ackersegen" neben der "Violetta" mit dunkelviolettem Fleisch, die lustigen "Bamberger Hörnla" neben beeindruckend marmorierten "Highland Burgundy" und dann gibt es noch - und das ist kein Scherz - neben "Ampflwanger Roten" auch die "Lungauer Blauen". Letztere sollen heuer besonders gut gewachsen sein.

Mit diesen Sorten zu kochen ist nicht nur ein Hochgenuss, sondern macht einfach Spaß. Die Vielfalt an Geschmäckern wird zusätzlich von den Farben unterstützt. Ein rosarotes Püree aus der "Roten Emma" von 1923, violette Chips aus "Blauen St. Gallern" oder ein bunter Erdäpfelsalat aus "Blauer Elise", "Irish Cobbler" und "Double Fun" sind Gaumenfreude und Augenweide zugleich. Und dass man damit auch noch etwas für die Artenvielfalt tut und den Agrarkonzernen ein Schnippchen schlägt, verdoppelt den Genuss.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 01:03 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/ein-plaedoyer-fuer-die-lungauer-blauen-1041334

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