Nikolaus oder Krampus ante portas?

Es ist oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, wer an die Gemeindetür klopft.

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Querschläger Fritz Messner

Wenn sie am Horizont auftauchen, bekommen Gemeindepolitiker diese großen, leuchtenden Augen, als wäre ihnen der leibhaftige St. Nikolaus erschienen. Die Rede ist von ausländischen Investoren, die als touristische Heilsbringer immer öfter an Gemeindetüren klopfen. Die lokalen Politiker sehen schon die prallen Säcke voll mit Arbeitsplätzen und Gemeindesteuern - aber ist diese Hoffnung auch berechtigt? Die vermeintlichen Segensbringer stellen meist riesige Resorts in die grüne Wiese. Das sind abgeschlossene Ortsteile mit eigenen Restaurants, Sport- und Wellnessbereichen, die mit dem Ort nur mehr am Rande zu tun haben.

Im Extremfall beherbergen dort dann ausländische Geldgeber ausländische Touristen, die von ausländischen Arbeitskräften betreut werden, die Gewinne fließen selbstverständlich ins Ausland, und wenn die Konstruktion gefinkelt genug ist, wird zum Großteil auch dort versteuert. Nicht zu unterschätzen ist auch der Druck, den ein 500-Betten-Betrieb in einem Dorf mit 800 Einwohnern auf die Gemeindepolitik ausüben kann. Einheimische Unternehmer nehmen auch Einfluss, haben aber meist auch eine emotionale Bindung zur Region und unterliegen bis zu einem gewissen Grad der sozialen Kontrolle. Das würde auch bei regionalen Beteiligungsmodellen zutreffen.

Bei internationalen Investoren fällt das alles weg und die hehren Versprechen der Projektpräsentationen und Hochglanzbroschüren lösen sich spätestens bei einem Eigentümerwechsel in Schall und Rauch auf oder enden als Zweitwohnungs-Ghettos. Zahlreiche Beispiele dafür sind aktenkundig. Also Obacht, liebe Gemeindepolitiker, dass sich der vermeintliche St. Nikolaus am Ende nicht als gut getarnter Krampus entpuppt.

Aufgerufen am 25.04.2018 um 02:31 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/nikolaus-oder-krampus-ante-portas-21402409

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