Preberschießen einmal anders

Schau dir an, was wo gewidmet und gebaut wird - und du weißt, wer im Dorf das Sagen hat.

Querschläger SN

Hui, es wird wieder scharf geschossen rund um den Prebersee in Tamsweg - diesmal aber nicht mit Blei auf die weitum bekannten Wasserscheiben, sondern mit Argumenten. Der Grund ist das Vorhaben der Gemeinde, das bis jetzt noch weitgehend unberührte Naturjuwel durch einen kilometerlangen und 600.000 Euro teuren Kanal an das Netz anzuschließen. Damit sollen nicht nur die Abwässer der Ludlalm (nomen est omen?), der einzigen bewirtschafteten Hütte am See, die im Herbst von privaten Betreibern auf die doppelte Kubatur vergrößert wird, entsorgt werden, sondern auch jene des Schützenheims und einer öffentlichen Toilette für Wanderer und Schitourengeher. Das klingt ja erst einmal ganz vernünftig, aber warum regt sich dann so viel Widerstand?

Die Gegner wundern sich einerseits, dass die Gemeinde, die vor wenigen Jahren noch so klamm war, dass sie den Bau eines zum größten Teil von Land und Bund finanzierten Kulturhauses nicht mittragen konnte, nun plötzlich so liquide ist, dass sie sich ein Projekt leisten kann und will, das offensichtlich Einzelnen mehr nützt als der Allgemeinheit. Vor allem aber befürchten sie, dass der Kanal der Startschuss für die (massen-)touristische Erschließung des Gebiets sein könnte, und fordern daher eine biologische Abwasserentsorgung vor Ort, was technisch durchaus machbar wäre.

Die Vertreter der Gemeinde beteuern, dass trotz des Kanals eine erweiterte touristische Nutzung ausgeschlossen sei. Ich persönlich glaube das den heute handelnden Personen - nur was zählt das in ein paar Jahren, wenn sich Personal, Machtgefüge und Interessenslage in der Gemeinde verändert haben? Dann wäre das größte Hindernis gegen die Verschandelung schon überwunden.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 05:39 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/preberschiessen-einmal-anders-1001881

Schlagzeilen