Raumordnung: Wuchteln und Wirklichkeit

Was beim Parteitag griffig klingt, schaut im Land oft ganz anders aus.

Querschläger SN

Respekt, da hat er sich ja einen ordentlichen Elfmeter aufgelegt, unser Landeshauptmann, als er beim Parteitag letzte Woche forderte, die Raumordnung müsse so wie bisher "eine ureigenste Kompetenz der Gemeinden" bleiben. Zur Erbauung der versammelten parteifreundlichen Landbürgermeister legte er dann noch nach, dass der Koalitionspartner den ländlichen Raum lediglich als Erholungsraum für Städter sehen und den Ausbau der Infrastruktur verhindern würde. Diese Wuchteln wurden natürlich zielsicher verwandelt und der Schütze durfte sich über 100% Zustimmung freuen. Also ist eh alles voll super in der Salzburger Raumordnung, oder? Mitnichten!

Wenige Tage später lieferten Experten bei der Nachhaltigkeitskonferenz der europäischen Regionen die Fakten: Nirgendwo sonst in Europa wird so viel Fläche versiegelt wie bei uns. Und jeder, der mit offenen Augen durch das Land fährt, braucht diese Expertise gar nicht, denn die Flächenvergeudung ist unübersehbar. Überall im Land werden im Wettbewerb der Gemeinden untereinander oder durch Druck von verschiedenen Gruppen auf die Bürgermeister innerhalb der Gemeinden landwirtschaftliche Flächen in bester Lage zubetoniert. Die Folgen werden einfach ignoriert. Und wenn dann, um nur ein Beispiel zu nennen, durch gemeindeübergreifende Widmungsorgien der Verkehr zusammenbricht wie im zentralen Pinzgau, dann sollen es doch wieder übergeordnete Stellen richten. Das Ziel muss doch sein, den ländlichen Raum mit minimalem Verbrauch an Flächen intelligent und koordiniert weiterzuentwickeln, was mit der existierenden Raumordnung offensichtlich nicht möglich ist, denn sonst würde das Land anders ausschauen. Sorry, Herr Landeshauptmann.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 05:12 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/raumordnung-wuchteln-und-wirklichkeit-1022536

Schlagzeilen