Rahmkoch oder Sauerkraut!

Für eine umsatzorientierte Brauchtumsintegration - am Beispiel Halloween.

Querschläger SN

Pfuh, die Brauchtumspolizei hat es auch nicht leicht. Zuerst wollten ein paar verwirrte, (post-)pubertierende Gruselclowns den Krampussen ins Handwerk pfuschen, indem sie deren geschütztes Konzept - mit grauslichen Masken Angst und Schrecken zu verbreiten - gnadenlos abkupferten, und kurz darauf brach dann der aus Amerika reimportierte kommerzkeltische Kinderfasching namens Halloween aus, was bei den Wächtern des Brauchtumsreinheitsgebotes reflexartig Panikattacken auslöst.

Das Problem dabei ist, dass Halloween ein gutes Geschäft ist und hohe Umsätze bringt, und wenn etwas ein gutes Geschäft ist und hohe Umsätze bringt, dann darf es bei uns nicht kritisiert und schon gar nicht verhindert werden - sonst würden ja unsere Ortschaften, Täler und Berge heute ganz anders ausschauen und weniger Augenkrebs auslösen. Der einzige Ausweg aus dieser Zwickmühle scheint zu sein, dass man Halloween einfach so weit alpinisiert, dass es irgendwie als heimisches Brauchtum durchgeht. Dann wären die Umsätze gesichert und die Puristen müssten nicht wochenlang hyperventilieren.

Beim zünftigen "Hellowiedln" könnten statt der üblichen, eh schon urfaden Horrorkostüme, die misslungensten Kreationen aus den diversen Trachtenshops und einschlägigen Versandhäusern für Touristen, Oktoberfestbesucher und farbenblinde Patrioten als Schockverkleidung dienen. Zusammen mit in manischem Dauergrinsen erstarrten Masken von Untoten aus der volkstümlichen Schlagerszene und dem Schlachtruf "Rahmkoch oda Sauakraut!" wären wohl alle Kriterien für einen zeitgemäßen, stimmigen und zugleich lukrativen inneralpinen Brauch erfüllt. Ich freu mich schon, das wird sicher "echt" lustig!

Aufgerufen am 18.09.2018 um 09:27 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/rahmkoch-oder-sauerkraut-921562

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