Vom Sparefroh zum Gruselclown

Querschläger SN

Der gute alte Weltspartag ist längst nicht mehr das, was er (vielleicht) einmal war!

Früher, liebe Kinder, haben wir uns auf den Weltspartag gefreut, fast so wie auf Weihnachten. Mit unseren wie Aug äpflein gehüteten und von den Eltern vor vorzeitiger Eigenkreditentnahme bewachten Sparbüchsen marschierten wir zu den verschiedenen Geldinstituten, wo schon der Sparefroh, die Sumsi, das Hippo oder sonstige Viecherl auf uns warteten. Und wenn die Münzen durch die Zählmaschine ratterten, eine Summe ins Sparbuch geschrieben wurde und man kleine Geschenke bekam, billiges Plastikspielzeug, Kugelschreiber und Luftballons mit Bankenlogos, hatte man das Gefühl, ganz sicher etwas Gutes getan zu haben.

Tja, so war das früher, in der guten alten Kuschelzeit. Und heute? Nach der völligen Entfesselung der Finanzwirtschaft in den Achtzigern und Neunzigern mit Konsequenzen wie Finanzkrise, Basel III, Kreditklemme und Niedrigzinspolitik der EZB sind wir schlussendlich bei Negativzinsen gelandet.

Und das, liebe Kinder, bedeutet nichts anderes, als dass ihr euch unterstehen sollt, euer Geld zu sparen, im Gegenteil: Ihr sollt es in den Wirtschaftskreislauf pumpen, euch Handys, Computerspiele, Skateboards, Klamotten und Kosmetika, egal was, im Extremfall sogar Bücher kaufen und so Wirtschaft und Wachstum ankurbeln.

Deshalb gibt es ja die Jugendkonten mit flexiblen Überziehungsrahmen. Ihr sollt eure Kohle noch heute raushauen, als ob es kein Morgen gäbe - ist das klar?

Und wenn ihr es doch wagen solltet, am Weltspartag mit euren Kröten in einer Bank aufzutauchen, dann werdet ihr euer blaues Wunder erleben, denn Sparefroh, Sumsi und Hippo sind längst Geschichte; auf ignorante und wirtschaftsfeindliche kleine Möchtegern-Sparer wartet heute der Gruselclown - Wäääääh!

Aufgerufen am 26.09.2018 um 02:53 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/vom-sparefroh-zum-gruselclown-939439

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