Warum Linzi blankzogEin Lob der guten alten Jethose

Querschläger | Alltagsleben in Salzburg SN

Die von heimischen Reportern gern als Linzi Won bezeichnete amerikanische Ski-Rennläuferin hat sich im Internet nackig gemacht. Daraufhin begann ein großes Rätselraten nach dem Warum. Manche mutmaßten, sie wollte dadurch ihr gerade erschienenes Buch bewerben, andere führten psychologische Gesichtspunkte ins Treffen, wieder andere starteten sogar einen Spendenaufruf, um die arme Linzi wieder mit Kleidung zu versorgen. Aber die Ursache für Linzis Enthüllung liegt ganz woanders. Eines der Bilder, nämlich jenes, das sie im Naturrennanzug und mit zwei Skistöcken in Abfahrtshocke - also quasi bei der Arbeit - zeigt, offenbart ihre wahren Beweggründe.

Ich bin mir sicher, die arme Linzi kann schlicht und einfach die von Jahr zu Jahr hässlicher werdenden Rennanzüge im Skiweltcup nicht mehr ertragen, bekommt davon wahrscheinlich Albträume, Pusteln auf der Netzhaut oder Schwindelattacken im Starthäuschen, und fährt deshalb ab sofort lieber ohne als mit diesen Folterinstrumenten für den Gesichtssinn. Und womöglich ist Linzi nur Vorreiterin und wir haben bald eine Flut an optisch sensiblen Weltcup-Nackerpatzerln zu erwarten. Da stellt sich eindeutig die Frage: Wer entwirft diese Anzugs-Ungetüme eigentlich? Zugedröhnte Praktikanten mit verbundenen Augen mit einem historisch wertvollen Grafikprogramm, das noch am Commodore 64 läuft? Hyperaktive Kindergartenkinder beim Erstkontakt mit einem Geodreieck? Wegen Burnouts auf Modedesigner umgeschulte Flächenwidmungsplaner?

Vielleicht sollte man ganz einfach wieder zur guten alten Jethose mit pfiffigem Rennstreifen und feschen, einfarbigen Anoraks zurückgehen, um den Läufern die Lungenentzündung und den Zusehern den Augeninfarkt zu ersparen.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 12:47 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/warum-linzi-blankzogein-lob-der-guten-alten-jethose-980356

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