Ein Trippelschritt der deutschen Bischöfe

Die Reformen in der katholischen Kirche nehmen nicht wirklich Fahrt auf. Einziger Trost: Die Richtung stimmt.

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Zeitzeichen Josef Bruckmoser

Die Einschätzungen waren im Grunde zurückhaltend positiv. Ein Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche" lobte das jüngste Schreiben der deutschen Bischofskonferenz zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene als "wichtigen Schritt auf dem Kurs der Weiterentwicklung". Die "Süddeutsche Zeitung" weckte mit einem Aufmacher-Titel "Kommunion auch nach Scheidung möglich" übertriebene Hoffnungen.

Am nächsten kam der Sache die "Welt am Sonntag", die das Schreiben als "Trippelschritt der Kirche" bezeichnete. Dieser werde in der Praxis kaum Folgen haben, weil er nur amtlich mache, was in vielen katholischen Gemeinden längst Praxis sei: Dass wiederverheiratete Geschiedene nicht auf Dauer von den Sakramenten ausgeschlossen sind, wenn die Trennung unter Rücksicht auf alle Beteiligten vollzogen werden konnte.

Seit Langem gelten dafür in der Erzdiözese Wien sogenannte "Aufmerksamkeiten": die Aufmerksamkeit gegenüber den Kindern, die Aufmerksamkeit gegenüber dem getrennt lebenden Partner oder der getrennt lebenden Partnerin, die Aufmerksamkeit gegenüber der Schuldfrage, die Aufmerksamkeit gegenüber anderen Ehepaaren und die Aufmerksamkeit gegenüber dem Gewissen und Gott.

Ganz auf dieser Linie sehen die deutschen Bischöfe "differenzierte Lösungen", die "dem Einzelfall gerecht werden und zum Tragen kommen, wenn die erste Ehe nicht annulliert werden kann". Zu vermeiden seien eine zu laxe wie eine zu starre Handhabung. Eine Entscheidung für den Sakramentenempfang "gilt es zu respektieren".

Damit hat sich eine maßgebliche Bischofskonferenz klar hinter den Schritt-für-Schritt-Reformkurs von Papst Franziskus gestellt. Und das, obwohl der Papst selbst wegen seiner tendenziell offenen Haltung in dieser Frage massiv attackiert wird und der deutsche Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, sofort darauf beharrte, dass es keine Umstände gebe, auf Grund derer ein Ehebruch keine Todsünde sei.

Vor diesem Hintergrund haben die deutschen Bischöfe einen Schritt getan. Einen Trippelschritt.

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