Papst Franziskus setzt ein sozialpolitisches Signal

Die katholische Soziallehre führt derzeit ein Schattendasein. Gibt es jetzt einen neuen Anstoß?

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Zeitzeichen Josef Bruckmoser

Im kommenden Jahr wird eine neue Vatikan-Behörde "für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen" eingerichtet. Hinter dem hochgestochen klingenden Titel steckt der Anspruch, zeitgemäße katholische Aussagen zur Sozialordnung zu entwerfen. Ein Schwerpunkt wird die Sorge um Flüchtlinge und Migranten sein. Diese Abteilung will Papst Franziskus sogar selbst leiten.

So viel oder wenig man von einer neuen Behörde im Vatikan erwarten mag - ein wichtiges Zeichen ist sie allemal. Erst unlängst hat der Direktor der Katholischen Akademie in Bayern, Florian Schuller, bei einem Studiengespräch in Salzburg kritisiert, dass die katholische Kirche seit geraumer Zeit wenig Grundsätzliches zu sozialen Fragen in die öffentliche Diskussion eingebracht habe.

Tatsächlich führt die katholische Soziallehre, die sehr brauchbare Prinzipien dafür entwickelt hat, kirchlicherseits derzeit ein Schattendasein. Am meisten macht sich noch die Caritas verdient. In der guten Tradition österreichischer Caritas-Präsidenten - von Prälat Leopold Ungar bis zu Franz Küberl - versteht auch Michael Landau sein Amt nicht nur darin, sich um die aktuelle Armut zu kümmern. Er legt vielmehr parteipolitisch unabhängig seinen Finger in gesellschaftspolitische Wunden, durch die Armut entsteht und verschärft wird. So beim Thema Mindestsicherung oder bei der sogenannten Notverordnung für die Flüchtlingsobergrenze.

Auch die Armutskonferenz, die auf österreichischer Ebene oder in Salzburg maßgeblich von der Katholischen Aktion mitgetragen wird, gibt kräftige Lebenszeichen.

Trotzdem ist das neue sozial politische Signal aus Rom höchst notwendig. Der bislang letzte gemeinsame Sozialhirtenbrief der katholischen Bischöfe Österreichs datiert vom 15. Mai 1990.

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