Mancher Nobelpreisträger gibt dem Frieden keine Chance

Wenn internationale Vorbilder die Erwartungen der Menschen nicht erfüllen, schmerzt das ganz besonders.

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Zorn und Zweifel Viktor Hermann

Aung San Suu Kyi kämpfte fast ein ganzes Leben lang gewaltlos für die Demokratisierung ihrer Heimat Myanmar, das früher einmal Birma hieß. Sie litt unter der dortigen Militärdiktatur, war lange Zeit in ihrem eigenen Haus eingesperrt und hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Bürger Myanmars heute in einem besseren Land leben. Für ihr Engagement hat man ihr 1991 den Friedensnobelpreis verliehen.

Heute ist die Frau eine der Schlüsselfiguren der Politik in Myanmar. Und eine der Hauptverantwortlichen dafür, dass unter den Augen der Weltöffentlichkeit in diesem Land eine ethnische Minderheit verfolgt wird. Die Rohingya sind als Moslems im buddhistischen Myanmar rechtlos. Obwohl sie seit Jahrzehnten in dem Land leben, dürfen sie nicht Bürger Myanmars werden. Sie werden von fanatisierten Buddhisten verfolgt, sie erleiden Vertreibung und Mord.

Und Aung San Suu Kyi verschließt die Augen vor diesen Untaten. Sie leugnet schlicht und einfach, dass es da überhaupt ein Problem gebe. Frage: Kann man jemandem den Friedensnobelpreis eigentlich wieder aberkennen, wenn der Preisträger sich im Nachhinein als preisunwürdig erweist?

Es gäbe ja einige Preisträger, denen man diese Ehre wieder entziehen müsste, weil sich nach der Ehrung herausstellte, dass diese Person dem Frieden gar nicht so besonders gedient hat. Nehmen wir Yassir Arafat, den Führer der Palästinensischen Befreiungsorganisation. Er erhielt den Friedensnobelpreis 1994 für seine Bemühungen um einen Nahostfrieden, gemeinsam mit den israelischen Politikern Schimon Peres und Yitzchak Rabin. Sechs Jahre später heizte Arafat die zweite Intifada durch antisemitische Reden an und leitete Entwicklungshilfegeld der EU an Terrororganisa tionen weiter.

Henry Kissinger (damals US-Außenminister) und der Nordvietnamese Le Duc Tho handelten zwar einen Friedensvertrag aus (Nobelpreis 1973), der Vietnamkrieg endete aber erst, nachdem Nordvietnam Südvietnam zwei Jahre später überfallen und erobert hatte. Le Duc Tho hatte wenigstens den Anstand, den Preis nicht anzunehmen, wohl weil er wusste, wie die Geschichte weitergehen würde.

Auch der Friedensnobelpreis für Barack Obama im Jahr 2009 war ein Griff daneben. Der Beitrag des Präsidenten zum Frieden war nicht besonders friedlich: Der Mann hat in seiner gesamten Amtszeit gezielt Gewalt als Mittel der Wahl im Kampf gegen Terroristen eingesetzt. Womöglich haben diverse Al-Kaida-Mitglieder oder IS-Kämpfer nichts anderes verdient, doch als Aktion des Friedens kann der Einsatz von Drohnen gegen Menschen nicht wirklich gelten.

Nicht jeder, der vom Nobel-Komitee mit dem Preis geehrt wird, ist auch ein echter Förderer von Frieden und Völkerverständigung.

Aufgerufen am 12.11.2018 um 09:24 auf https://www.sn.at/kolumne/zorn-und-zweifel/mancher-nobelpreistraeger-gibt-dem-frieden-keine-chance-17293915

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