So manches Kabinett ist so richtig zum Gruseln

Die Demokratie wird alles aushalten, auch dass die skurrilsten Typen zu Regierungsämtern und Ministerehren kommen.

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Zorn und Zweifel | internationale Politik und Gesellschaft Viktor Hermann

Dieses Jahr stellt die Geduld vieler Menschen auf die Probe. Das Wahlvolk in Großbritannien fiel auf die Lügen zweier Vertreter der Spezies Münchhausen herein und wählte den Ausgang aus der Europäischen Union. Als Lohn für seine dreiste Verdrehung der Wahrheit und seine charakterlose politische Taktiererei erhielt der Konservative Boris Johnson das Amt des britischen Außenministers. Als solcher darf er jetzt durch all jene Fettnäpfchen hüpfen, die er höchstpersönlich in den vergangenen Jahren aufgestellt hat.

In den USA hat die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler tatsächlich nicht Donald Trump gewählt. Hillary Clinton erhielt rund 2,5 Millionen Stimmen mehr als der Immobilienmogul. Doch das eigenwillige Wahlsystem macht es möglich, dass der Verlierer zum Gewinner wird.

Man stelle sich einmal vor, was all jene Rechtspopulisten in Europa zu sagen hätten, wenn ihnen nicht einmal die Mehrheit der Stimmen reichte, um auch die Macht zu erringen.

Donald Trump ist gerade dabei, sein Regierungsteam zusammenzustellen. Und da greift der Mann doch wirklich ins Volle, um ein echtes Kabinett des Grauens zu präsentieren. Da er sichtlich auf politische Kompetenz Wert legt, wählte "The Donald" den Neurochirurgen Ben Carson als seinen Wohnungsbauminister. Offenbar ist der nächste US-Präsident überzeugt, dass sich im Dschungel des komplizierten Wohnungsbaus zurechtfinden wird, wer sich mit Nervenbahnen und Gehirnwindungen auskennt.

Ein Höchstmaß an Fachkenntnis dürfte bei Andrew F. Puzder für die Funktion des Arbeitsministers vorhanden sein. Der Mann besitzt eine Kette von Fast-Food-Restaurants und will durch die Abschaffung des Mindestlohns mehr Beschäftigung und - man höre und staune - höhere Löhne schaffen. Das ist ganz so, wie wenn der Fuchs erklärt, das Leben der Hühner auf dem Bauernhof sei nur dadurch zu schützen, dass man ihm, dem Fuchs, ungehindert Zugang zum Hühnerstall gewähre.

Da verwundert die Entscheidung, Scott Pruitt zum Umweltminister zu machen, schon gar nicht mehr. Der Mann ist bekannt als ein Lobbyist der Erdöl- und der Kohleindustrie, als einer, der die wissenschaftlichen Belege für den Klimawandel ablehnt und der die Umweltbehörde der USA, der er als Minister vorstehen soll, am liebsten abschaffen würde. Donald Trump beweist mit diesen Ernennungen, dass er seinen eigenen Mangel an Sachkompetenz und Fachkenntnis ausgleicht, indem er einen Ausbeuter zum Arbeitsminister macht und einen Lobbyisten der Umweltverschmutzer zum Hüter der Umwelt.

Alle seine künftigen Minister sind übrigens seit vielen Jahren Teil jenes Establishments, das er im Wahlkampf so sehr verflucht hat.

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