Musik

"Kommt, singt mit!" im SN-Saal: Lieder weisen den Weg zur Krippe

Hirten, Krippenkunst und miteinander Singen im SN-Saal: Das war "Kommt, singt mit!".

Der Ton macht die Musik, sagt ein Sprichwort. Und zu keiner Zeit im Jahr rückt die Achtsamkeit im Miteinander so sehr in den Mittelpunkt wie im Advent. Vielleicht auch deshalb hat ein altes Pinzgauer Hirtenlied im Lauf des 20. Jahrhunderts eine sanfte Modernisierung bekommen. In den zwölf ursprünglichen Strophen des Liedes "Steh hurtig auf, Luggei", dessen früheste Aufzeichnung aus dem 19. Jahrhundert stammt, herrschte nämlich noch ein herzlich rauer Umgangston zwischen dem Hirten, der seinen Freund aufwecken will, und dem Luggei, der lieber weiterschlafen würde: "Du kropfata Rotbart" und "Du kriagst oans auf'd Nos" heißt's im Originaltext, den Anni Haitzmann, die Vorsitzende des Salzburger Volksliedwerks, am Mittwochabend im SN-Saal auf Pinzgauerisch vorlas.

Angestimmt wurde danach die vorweihnachtlich friedvolle Version: Auch in diesem Jahr folgten wieder viele Singbegeisterte dem Aufruf zum gemeinsamen Entdecken von Liedern in der SN-Veranstaltung "Kommt, singt mit!".

Elisabeth Radauer vom Rauchenbichler Dreigesang schickte dennoch auch beim modernisierten "Steh hurtig auf, Luggei!" eine Mahnung voraus: "Es ist eine einfache Melodie, aber die Tücke steckt im Detail", sagte die erfahrene Liedlehrerin und ging mit den Anwesenden die melodischen Variationen durch. Das Ergebnis konnte sich hören lassen. Nach kurzer Instruktion stimmten Publikum und Dreigesang (Elisabeth Radauer, Michaela Putz und Elisabeth Putz, begleitet von Waltraud Stögner vom Salzburger Volksliedwerk an der Harfe) das in der aktuellen "Kommt, singt mit!"-Beilage abgedruckte Lied gleich mehrstimmig an.

Seltene Lieder wurden einstudiert

"Ich freue mich, wenn ich sagen kann, wir sind eine Zeitung zum Singen", sagte Hedwig Kainberger, die Leiterin des SN-Kulturressorts, mit Verweis auf die bekannten und selteneren Lieder, die an diesem Abend einstudiert wurden. Als Moderatorin des Abends bat sie zudem eine Reihe von Expertinnen und Experten zu den Themen Krippen- und Hirtentradition auf die Bühne.  "Wenn man in so ein Kripperl hineinschaut, kommt Wärme ins Herz", erzählte etwa Heidi Scheul, die Obfrau des Loferer Krippenbauvereins, der mit Kursen und Ausstellungen "dieses wertvolle Kulturgut weitergeben" will. Beim Bau der eigenen Krippe gebe es viel Raum für individuelle Ideen, sagte Scheul, wichtig sei freilich, "dass der Blick auf die Heilige Familie frei ist".

Wie viel künstlerische Freiheit ein Experte vom Franziskanerorden beim Krippenbau zugesteht? "Ich bin da großzügig", versicherte Pater Thomas. Essenziell sei aber, "dass die Szene, von der die Evangelisten erzählen, immer im Zentrum bleibt". Der Franziskaner-Guardian rief auch in Erinnerung, warum Franziskus als Vater des Krippenspiels gilt: "Er war so fasziniert von der Menschwerdung Gottes, dass er sie nicht nur im Evangelium hören, sondern nachspielen wollte."

Im SN-Saal hieß es wieder: „Kommt, singt mit!“ SN/robert ratzer
Im SN-Saal hieß es wieder: „Kommt, singt mit!“

Drehorgel begleitete den Publikumschor

Zur Krippe her kommet, in Bethlehems Stall: Wenn es um singendes Miteinander geht, dann darf auch ein Hit unter den Weihnachtsliedern nicht fehlen. Für den stimmlichen Einsatz des Publikums hatte dabei auch ein weiterer Gast viel Bewunderung: "Wie schön! Danke!", sagte Oliver Maar. Er ist Werkelmann von Beruf. Das heißt: Der Ton, der die Musik macht, kommt bei ihm aus einer Drehorgel und einer der 3000 Lochscheiben, die er als mechanische Klangträger zu Hause hat. Gar nicht technisch, sondern verblüffend lebendig und musikantisch klingt es spätestens, wenn er kurbelnd seine Stücke zu spielen beginnt. Bei "Ihr Kinderlein kommet" begleitete er im SN-Saal live den Publikumschor. Ob das für ihn eine Premiere sei? "Dass es gemeinsam so schön geklungen hat, das ist eine Premiere", versicherte der Wiener Werkel-Virtuose.

Gemeinsam mit Waltraud Stögner hatte Maar am Ende des Abends dann auch noch eine Überraschung parat: Obwohl die Drehorgel nur bedingt Möglichkeiten zum Improvisieren erlaubt, spielte er mit der Harfenistin ein spontanes Duo. Und zum Ausklang stimmte der Rauchenbichler Dreigesang noch einmal ein ganz friedfertiges Hirtenlied an: "Los, Hiasl, mei Nachba".

Im SN-Saal hieß es wieder: „Kommt, singt mit!“ SN/robert ratzer
Im SN-Saal hieß es wieder: „Kommt, singt mit!“

Liederheft für SN-Leserinnen und Leser

Um das Interesse und die Freude am Singen mit Familie und Freunden zu unterstützen, hat das Salzburger Volksliedwerk das Liederheft "Weihnachtslieder schenken" neu aufgelegt. Es enthält über 40 Advent- und Weihnachtslieder mit Text und Noten, Begleitakkorden und teilweise auch zweiter Singstimme - vom Andachtsjodler bis "Zu Bethlehem geboren". Der Klassiker "Stille Nacht, heilige Nacht" mit drei Strophen ist ebenso darin zu finden wie das Kinderlied "Schniwi, schnawi, schneibn", das in Munderfing aufgezeichnet worden ist.

Auch Lieder aus der Tradition des Salzburger Adventsingens sind dabei, wie "Jetzt fangen wir zum Singen an" und "He, Lippei, steh auf", beide von Tobi Reiser, oder "Immer, wenn es Weihnacht wird".

Ein Teil dieser Auflage wird SN-Lesern um 5 Euro pro Heft angeboten - erhältlich am SN-Schalter im Foyer des Pressezentrums, Karolingerstraße 40, oder unter shop.SN.at

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