Musik

Wiener Staatsoper startet ohne Bravorufe in die Saison

Bogdan Roščić tritt in seiner ersten Spielzeit als Direktor der Wiener Staatsoper dem Coronavirus entgegen — und will junges Publikum in die Oper locken.

Ein Maskenablegefach für den Chor würde es brauchen, sagte der neue Direktor der Wiener Staatsoper, Bogdan Roščić, zu Beginn der Pressekonferenz am Mittwoch, die seine erste Spielzeit einläutete. Im Haus herrsche Maskenpflicht, "aber wohin damit auf der Bühne?", fragte er. "Mit solchen Fragen beschäftigen wir uns tagtäglich." Dann wollte auch noch der Desinfektionsmittelspender zu seiner Rechten nicht aufhören zu spenden. Unbestritten beherrscht das Coronavirus den Saisonauftakt der Wiener Staatsoper.

Wiener Staasoper eröffnet mit "Madama Butterfly"

Wenn am 7. September "Madama Butterfly" mit Asmik Grigorian in der Titelrolle Premiere feiert, ist es sechs Monate her, dass im Haus Oper gespielt worden ist. Für Besucher ändert sich einiges: Maximal vier Karten pro Person können gekauft werden, diese sind personalisiert. Der Sitzplan sei dynamisch, schildert Roščić. Das bedeute, dass je nachdem, wie die Karten verkauft werden, statt 1709 lediglich 950 bis 1200 Besucher Platz fänden. Stehplätze könnten derzeit nicht angeboten werden, so wurden die Plätze bestuhlt und können für drei bis vier Euro zu denselben Konditionen wie früher bezogen werden. "Wir wollen nicht, dass diese sozial- und kulturpolitisch wichtige Institution stirbt", bekräftigte der Direktor. Wie bei den Salzburger Festspielen werde empfohlen, die Maske auch während der Vorstellung zu tragen. Zudem werde gebeten, auf Bravo-Rufe zu verzichten. Ob das auch für Buhrufe gelte? "Hier soll die Ansteckung durch Aerosole noch gefährlicher sein", antwortet Roščić mit Humor.

Roščić: "Das Virus diktiert nicht den Spielplan"

Anders als in Salzburg gebe es Pausen und ein Buffet. Auch verzichte man auf gekürzte Opernversionen. Den Spielplan wolle man sich nicht vom Coronavirus diktieren lassen, betont Roščić. "Es gibt keine Richard-Strauss-Arrangements für vier Blockflöten."

Zehn Opern-, zwei Ballettpremieren und zwei Kinderopern sind geplant. Der Dirigent Franz Welser-Möst, die Sänger Jonas Kaufmann und Plácido Domingo kehren zurück, ihr Debüt feiern unter anderen Maria Happel wie die gefeierte südafrikanische Sopranistin Pretty Yende.

Auch hinter den Kulissen herrscht ein Sicherheitskonzept, so werden die Mitarbeiter regelmäßig getestet. Man rechne für Test- und zusätzliche Sachkosten mit 350.000 Euro im Monat, wie die neue kaufmännische Geschäftsführerin Petra Bohuslav darlegte. Allein für den Probenbetrieb im Juli und August schlugen die Kosten für 1675 Testungen mit 182.000 Euro zu Buche.

Tickets für Generalproben um zehn Euro für junges Publikum

Weil internationale Gäste ausblieben, das Stammpublikum vielfach zur Risikogruppe zähle, laufe der Kartenverkauf verhalten, schildert Petra Bohuslav. Das schlage sich auf das Budget nieder. "Derzeit rechnen wir mit einem Minus von vier Millionen Euro, die Ausfallhaftung seitens der Eigentümer - der Republik Österreich - wurde für bis zu 6,4 Millionen Euro zugesagt." Diese Rechnung setzt voraus, dass der Opernball 2021 stattfindet.

Generell wolle man junge Besucher in die Staatsoper holen, betont der Direktor. "Das Durchschnittsalter unseres Publikums beträgt 64 Jahre. Wir wollen Initiativen, nicht bloß Gesten setzen." Eine startet am Samstag, wenn unter 27-Jährige für zehn Euro die Generalprobe von "Madama Butterfly" sehen können. Das gelte für alle Opern- und Ballettpremieren der Saison.

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