Leben

Darmspiegelung - auch ohne Schmerzen

Leider findet man immer wieder "Ausreden", warum es gerade jetzt nicht geht: Stress im Beruf, zu viele Termine, man hat ja ohnedies keine Schmerzen. Das kann fatale Folgen haben.

Ich spür ja nichts - warum soll ich also eine Darmspiegelung machen? SN/adobe stock/sizesquare´s
Ich spür ja nichts - warum soll ich also eine Darmspiegelung machen?

Studien belegen, dass jede fünfte beschwerdefreie Österreicherin bzw. jeder fünfte beschwerdefreie Österreicher ab dem 50. Lebensjahr Vorstufen von Krebs im Dickdarm hat. Dickdarmkrebs zählt zu den häufigsten und gefährlichsten Krebserkrankungen. Jedes Jahr gibt es in Österreich 4500 Neuerkrankungen, trotz aller Fortschritte sterben 2700 Menschen (mehr Männer als Frauen) jährlich daran.

Darmkrebs ist früh erkennbar

Mehr als 90 Prozent dieser Karzinome sind aus einem über viele Jahre langsam wachsenden und ursprünglich gutartigen Darmpolypen entstanden. Darmkrebs ist, wie kein anderer Tumor, früh zu erkennen und damit gut heilbar. Ideal dafür geeignet ist die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt. Die Entfernung von Darmpolypen während der Darmspiegelung ist Diagnose, Therapie und Krebsvorsorge in einem.

Risikoabschätzung

Ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko für Dickdarmkrebs, weshalb ein ärztliches Gespräch durchgeführt werden sollte. Gibt es in der Familiengeschichte keine Darmkrebserkrankungen, ist die erste Koloskopie ab dem 50. Lebensjahr zu empfehlen. Wurde bei Verwandten ersten Grades ein Dickdarmkrebs festgestellt, ist es sinnvoll, die erste Koloskopie zeitlich vorzuziehen. Fünf bis zehn Prozent aller Krebserkrankungen sind auf genetische Veranlagung zurückzuführen. In manchen Familien tritt z. B. Krebs der Brust, der Gebärmutter oder des Dickdarms gehäuft auf. Dann spricht man von Krebsrisikofamilien.

Vorsorgekoloskopie

Die Untersuchung erfolgt mit einem gut biegsamen Endoskop (Video- Koloskop), das über den After eingeführt wird und von dort weiter in die höheren Dickdarmabschnitte vorgeschoben wird. Das vordere Ende des schlauchartigen Endoskops ist in alle Richtungen beweglich. Dort befindet sich auch eine Minikamera, die Bilder über einen Prozessor auf einen Monitor sendet, auf welchem der Untersucher diese betrachten kann. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass der Darm gut vorbereitet und entleert ist. Ist die Darmspiegelung bei guter Entleerung vollständig bis in das obere Ende des Dickdarms erfolgt und ein unauffälliger Befund erhoben, so ist die nächste Koloskopie erst wieder in zehn Jahren erforderlich. Wurden hingegen Polypen gefunden und entfernt, so ist das Untersuchungsintervall in Abhängigkeit vom erhobenen Befund kurzfristiger festzulegen.

Sanfte Koloskopie

Viele Menschen haben noch immer Angst vor einer Darmspiegelung. Die Untersuchung findet jedoch in einer Art Dämmerschlaf statt und ist nicht unangenehm, belastend oder schmerzhaft.

Koloskopie als "Goldstandard"

Studien haben gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung (über 50 Jahre) noch nie eine Darmspiegelung durchführen ließ. Die Koloskopie gilt somit nach wie vor als "Goldstandard" in der Darmkrebsvorsorge und Früherkennung.
Durch den Lockdown, aber auch andere Phasen der Pandemie, haben viele Patienten, mit oder ohne Beschwerden, die Arztpraxen gemieden und so konnte leider oft erst sehr verspätet die Diagnose Darmkrebs gestellt werden.

Die österreichischen Ordinationen arbeiten mit höchsten Hygienestandards und es stehen ausreichend Schutzausrüstungen zur Verfügung. Die Möglichkeit der Vorsorgekoloskopie sollte also auch während der COVID -19-Pandemie in Anspruch genommen werden.


 

Gastautorin
Dr. Hella Spaun
Fachgruppenobfrau Chirurgie der Ärztekammer für Salzburg


Aufgerufen am 29.05.2022 um 02:06 auf https://www.sn.at/leben/darmspiegelung-auch-ohne-schmerzen-116025772

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